Das EU-Parlament hat in Straßburg entschieden, dass pflanzliche Fleischalternativen künftig nicht mehr „Wurst“, „Schnitzel“ oder „Burger“ heißen dürfen. Der Beschluss löst Empörung bei Produzenten und Verbraucherschützern aus – besonders in Deutschland, wo der Markt für Veggie-Produkte boomt. Vorbereitet von der Redaktion vollveggie.de.
In Oldenburg etwa sorgt das Urteil für Kopfschütteln. Pilzfarmer Eckard Janssen und Metzger Stefan-Horst Küper stellen gemeinsam eine fettarme Bratwurst aus Champignons her – und nennen sie selbstverständlich „Bratwurst“. „Wie sollen wir sie sonst nennen? Stäbchen?“, fragt Janssen. Kunden verstünden sofort, was sie kaufen. Für Küper ist „Wurst“ einfach eine Formbezeichnung: „Bei Marken wie Mortadella verstehe ich den Schutz, aber bei Bratwurst geht es nur um die Form.“ Nun müssen sie wohl nach einem neuen Namen suchen.
Schutz der Bauern oder Lobbyarbeit?
Das Parlament argumentiert, das Verbot diene dem Verbraucherschutz. Die konservative EU-Abgeordnete Céline Imart von der EVP-Fraktion sprach vor der Abstimmung von einem „echten Verwechslungsrisiko“. Pflanzliche Alternativen hätten andere Nährwerte als Fleischprodukte. Außerdem müsse man Landwirte vor unlauterem Wettbewerb schützen, sagte Imart: Hersteller pflanzlicher Lebensmittel würden vom guten Ruf traditioneller Fleischprodukte profitieren, den Generationen von Bauern aufgebaut hätten.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützt das Vorhaben: „Wurst ist Wurst. Und Wurst ist nicht vegan“, sagte der CDU-Politiker jüngst in einem TV-Interview. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte ebenfalls gefordert, klare Unterscheidungen zwischen tierischen und pflanzlichen Produkten zu schaffen.
Hersteller und Verbraucher laufen Sturm
Ganz anders sieht das Benjamin Amshoff aus Hamburg. In seiner „Veganen Fleischerei“ verkauft er vegane Leberkäse und Bratlinge – ohne Missverständnisse bei den Kunden. „Niemand verwechselt unsere Produkte mit Fleisch“, sagt der Unternehmer. Auch die Rügenwalder Mühle, einer der größten Hersteller von Fleisch- und Fleischersatzprodukten in Niedersachsen, warnt vor dem geplanten Verbot. „Schnitzel oder Burger beschreiben die Zubereitung, nicht das Tier dahinter“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Ein solcher Schritt würde die Orientierung der Verbraucher erschweren und den Absatz bremsen.
Kritik von Foodwatch und Verbraucherschützern
Verbraucherschützer sind ebenfalls empört. Die Organisation Foodwatch nennt das Gesetz „Lobbyismus im Dienst der Fleischindustrie“. Geschäftsführer Chris Methmann meint: „Niemand kauft versehentlich Tofu-Würstchen, weil er glaubt, sie seien aus Rindfleisch.“ Auch Stephanie Wetzel vom Verbraucherzentrale Bundesverband findet ein Verbot überflüssig. „Begriffe wie Veganes Seitan-Schnitzel oder Veggie-Burger sind längst Alltag. Die Menschen wissen, was sie kaufen.“
Unterstützung erhalten die Kritiker von großen Handelsketten und Fast-Food-Marken. Aldi Süd, Lidl, Burger King und Beyond Meat schrieben gemeinsam an das Parlament: Bekannte Namen böten Orientierung und ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen. Ein Verbot würde besonders Deutschland treffen – den größten Markt für pflanzliche Alternativen in Europa.

Eine Branche in Sorge
Der Bundesverband Alternative Proteinquellen zeigte sich „enttäuscht“ über das Ergebnis. Vorstand Fabio Ziemßen warnt: „Ein Verbot bekannter Begriffe schafft keine Klarheit, es stiftet Verwirrung.“ Grünen-Politikerin Zoe Mayer spricht von einer „Sabotage einer aufstrebenden Branche“. Verbraucherinnen und Verbraucher wüssten sehr wohl, ob ein Produkt aus Fleisch oder Pflanzen bestehe.
Trotz der Entscheidung in Straßburg ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Nun müssen die 27 EU-Staaten über das Verbot verhandeln. Ob sie sich tatsächlich darauf einigen, bleibt offen. In der Zwischenzeit warten Produzenten wie Janssen und Küper gespannt darauf, ob ihre Pilz-Bratwurst bald einen neuen Namen braucht – oder einfach Wurst bleiben darf.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Cocktail-Rezepte mit Jack Daniel’s Blackberry: Ein Grund, den Geschmack zu variieren.
