Nach einem Wochenende, das von Krisen-Telefonaten wegen der Eskalation im Nahen Osten geprägt war, bricht der Regierungschef heute nach Washington auf. Bereits am Dienstag wird ihn US-Präsident Donald Trump (79) im Weißen Haus empfangen. Der Besuch war lange geplant – doch die Entwicklungen rund um Iran haben ihm eine völlig neue Dynamik verliehen. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion. Die Bilder wurden von der Website verwendet bild.de.
Merz ist der erste ausländische Regierungschef, den Trump seit Beginn der Militäraktion gegen Iran empfängt. Dass der Termin nicht verschoben wurde, wird in Berlin als positives Signal gewertet. Dennoch ist klar: Die Agenda sieht heute anders aus als ursprünglich vorgesehen.
Nahost-Krise rückt in den Mittelpunkt
Eigentlich wollte der Kanzler mit Trump über die jüngsten Zoll-Verwicklungen und die Lage in der Ukraine sprechen. Doch die Krise im Nahen Osten hat die Prioritäten verschoben. Wie viel Raum für andere Themen bleibt, ist offen.
Im Kanzleramt hatte man das Szenario eines möglichen Angriffs auf Iran unmittelbar vor dem Abflug einkalkuliert. Entsprechend vorbereitet trat Merz am Sonntag vor die Öffentlichkeit und legte damit die Linie für die Gespräche in Washington fest.
„Die Bundesregierung teilt die Erleichterung vieler Iranerinnen und Iraner darüber, dass dieses Mullah-Regime nun an sein Ende kommt“, erklärte der Kanzler.
Die Unterstützung für die USA und Israel war unmissverständlich. In Washington dürfte man diese Worte mit Genugtuung aufgenommen haben.
Unterstützung – aber mit klaren Vorbehalten
Gleichzeitig machte Merz deutlich, dass militärische Schritte Risiken bergen.
Militärschläge seien „nicht ohne Risiko“, betonte der Kanzler.
„Es ist nicht sicher, ob der Plan aufgeht, durch militärische Schläge von außen einen politischen Wandel von innen heraus zu ermöglichen.“
Diese Differenzierung ist entscheidend. Als Israel im Juni vergangenen Jahres mit amerikanischer Unterstützung iranische Atomanlagen bombardierte, hatte Merz vor einer „weiteren Eskalation“ und einer Destabilisierung der gesamten Region gewarnt. An diesen Bedenken hat sich offenbar wenig geändert.
Gemeinsame Sicht auf die Zukunft Irans
Bereits im Januar hatte Merz bei seinem Indien-Besuch von den „letzten Tagen und Wochen“ des Regimes in Teheran gesprochen. Ein Regime, das sich nur noch mit brutaler Gewalt an der Macht halte, verliere seine Legitimation, so seine Einschätzung.
In dieser Analyse liegt er nahe bei Donald Trump. Diese Schnittmenge könnte die Grundlage für Gespräche über eine mögliche „Agenda für den Tag danach“ bilden – also über Szenarien für die Zeit nach einer möglichen politischen Wende in Iran und die Stabilität der Region.

Erster Besuch seit Beginn der Militäraktion
Der letzte Besuch von Merz bei Trump im Juni 2025 war vergleichsweise harmonisch verlaufen. Die aktuelle Begegnung steht unter deutlich größerem Druck. Sie ist das erste Treffen im Weißen Haus seit Beginn der Militäraktion gegen Iran – und entsprechend politisch aufgeladen.
Nun wird sich zeigen, ob es gelingt, Krisendiplomatie, Handelsfragen und die Ukraine-Thematik in einer gemeinsamen Gesprächsagenda zu vereinen. Klar ist: Die Entwicklungen im Nahen Osten bestimmen Ton und Tempo dieser Gespräche.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Wer war Michael Sagurna? Die Stimme der sächsischen Politik.
