Bei Deutschlands größtem Stahlhersteller beginnt eine neue Ära: Marie Jaroni übernimmt den Vorstandsvorsitz von Thyssenkrupp Steel Europe. Damit steht zum ersten Mal in der Geschichte des Duisburger Traditionskonzerns eine Frau an der Spitze der Stahlsparte – und das in einer Phase massiver Umbrüche. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Marie Jaroni ist 40 Jahre alt, studierte Werkstofftechnikerin und gilt als eine der wenigen Führungskräfte, die sowohl das technische Know-how als auch strategischen Weitblick vereinen. Nach ihrem Studium und der Promotion an der RWTH Aachen begann sie ihre Karriere bei McKinsey, wo sie Industrieunternehmen durch Transformationsprozesse führte. 2017 wechselte sie zu Thyssenkrupp AG, um dort den Wandel der angeschlagenen Stahltochter mitzugestalten. Jetzt wird sie selbst zur zentralen Figur dieses Umbaus.

Vom Beratungszimmer an die Werkshallen
Jaroni steht für eine Generation von Managerinnen, die sich nicht auf Symbolpolitik reduzieren lassen wollen. Sie war seit 2014 Teil des Führungsteams, zunächst im Bereich Vertrieb und Transformation. Als ihr Vorgänger Dennis Grimm nach nur 14 Monaten überraschend den Posten räumte, übernahm sie die Verantwortung. Der Aufsichtsrat verlängerte ihren Vertrag gleich um fünf Jahre – bis 2030.
„Marie Jaroni hat in den vergangenen Monaten mit strategischem Weitblick, Überzeugungskraft und großem Einsatz wesentliche Weichen beim Stahl gestellt“, lobte Aufsichtsratschefin Ilse Henne. Auch Gewerkschaftsvertreter zeigten sich ungewöhnlich einig. Knut Giesler von der IG Metall sprach von einem „ausgeprägten Vertrauensfundament“, das Jaroni in schwierigen Verhandlungen geschaffen habe.
Ein Konzern im Krisenmodus
Thyssenkrupp Steel kämpft mit Überkapazitäten, Dumpingpreisen aus Asien und dem Druck, klimaneutral zu produzieren. Der Konzern will bis 2030 rund 11 000 Arbeitsplätze abbauen oder auslagern – eine schmerzhafte, aber wohl notwendige Sanierung. Jaroni hatte die zentralen Verhandlungen dazu selbst geführt.
Gleichzeitig steht ein möglicher Eigentümerwechsel im Raum: Der Mutterkonzern Thyssenkrupp verhandelt mit dem indischen Stahlriesen Jindal Steel & Power über einen Verkauf der Sparte. Offiziell heißt es, man prüfe „strategische Optionen“. Hinter den Kulissen geht es um nichts weniger als die Zukunft des deutschen Stahls.
Zwischen Klimawende und Kostendruck
Die neue Vorstandschefin steht vor einem Balanceakt. Einerseits muss sie die Produktion klimafreundlicher gestalten – mit Milliardeninvestitionen in Wasserstofftechnologien. Andererseits drängt die Finanzabteilung auf harte Sparprogramme. Der bisherige Finanzvorstand Philipp Conze bleibt im Amt, sein Vertrag wurde ebenfalls bis 2030 verlängert.
Jaroni selbst übernimmt übergangsweise auch das Produktionsressort, bis ein Nachfolger gefunden ist. Personalchef Wilfried von Rath tritt zusätzlich als HR-Vorstand in der Stahlsparte an. Innerhalb weniger Monate ist so ein komplett neues Führungsteam entstanden, das zeigen soll: Der Umbau ist ernst gemeint.

Das Gesicht des neuen deutschen Stahls
In einer internen Mitteilung hatte der scheidende Chef Grimm erklärt, es brauche „harte Einschnitte und eine klare Perspektive, um Stahl auch künftig in Duisburg produzieren zu können“. Jaroni wird nun beweisen müssen, dass sie diese Perspektive liefern kann. Ihre Berufung gilt vielen als Symbol dafür, dass Industrie-Deutschland sich verändert – weg von alten Strukturen, hin zu moderner, diverser Führung.
Die neue Chefin ist bekannt für ihre ruhige, analytische Art. Kolleginnen beschreiben sie als „präzise, aber offen für Diskussion“. Gerade diese Mischung aus technischer Kompetenz und Empathie könnte entscheidend sein, um die Belegschaft in einer schwierigen Zeit mitzunehmen.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben König Charles III entzieht Prinz Andrew Titel und Residenz.
