Ein Brand in der Berliner U-Bahn hat erneut Fragen zur Sicherheit technischer Anlagen aufgeworfen. Am 28. November brach im U-Bahnhof Schloßstraße ein Feuer in einem Betriebsraum aus, bei dem die gesamte Signaltechnik zerstört wurde. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, die Folgen sind jedoch gravierend: Der Verkehr auf der Linie U9 zwischen Rathaus Steglitz und Bundesplatz ist bis heute unterbrochen. Der Vorfall ist kein Einzelfall – und wirft zunehmend kritische Fragen an die BVG-Führung auf. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion unter Bezugnahme auf bild.de.
Was am Bahnhof Schloßstraße passiert ist
Der Brand brach gegen 13:45 Uhr aus. Die Feuerwehr war schnell vor Ort und konnte das Feuer rasch löschen. Dennoch wurden die Signalanlagen auf dem betroffenen Abschnitt vollständig zerstört. Ohne funktionierende Signaltechnik ist ein regulärer Betrieb unmöglich, weshalb die U9 komplett gesperrt werden musste.
Auf Nachfrage teilte die BVG mit, dass eine technische Ursache derzeit ausgeschlossen wird. Daraus ergibt sich der Verdacht auf Brandstiftung. Aus Mitarbeiterkreisen gelangte zudem die Information an die Öffentlichkeit, dass sich Obdachlose in dem Betriebsraum aufgehalten und das Feuer verursacht haben könnten. Am Brandort sollen Reste eines Campingkochers gefunden worden sein.

Obdachlose in Betriebsräumen – ein strukturelles Problem
Berliner Medien berichten seit Längerem darüber, dass Obdachlose nicht nur Bahnhöfe, sondern auch Tunnel und technische Räume der U-Bahn als Schlafplätze nutzen. Das macht den aktuellen Fall besonders brisant. Es geht nicht um einen einzelnen Vorfall, sondern um eine grundsätzliche Sicherheitslücke, die den Zugang zu kritischer Infrastruktur ermöglicht.
Eine offizielle Entwarnung seitens der BVG, dass Betriebsräume ausreichend gesichert seien, gibt es bislang nicht. Dabei ist bekannt, dass auf diese Problematik schon seit Jahren hingewiesen wird.
Kein Einzelfall im Berliner U-Bahn-Netz
Ähnliche Brände hat es bereits zuvor gegeben. Am 28. Februar 2024 kam es im Tunnel der U6 zwischen Reinickendorfer Straße und Kurt-Schumacher-Platz zu einem Feuer. Der Bahnverkehr war damals sieben Wochen lang unterbrochen. Auch hier ging die Polizei von fahrlässiger Brandstiftung durch Obdachlose aus.
Bereits am 2. Januar 2021 hatte es zudem einen Brand im U-Bahnhof Schloßstraße gegeben – unter einer Rolltreppe. Auch damals wurden wichtige Signalkabel zerstört. Die Parallelen zum aktuellen Fall sind offensichtlich.
Warum die Reparatur der U9 so lange dauert
Die BVG verweist auf den hohen technischen Aufwand der Reparaturen.
Als Gründe nennt das Verkehrsunternehmen unter anderem:
- vollständig zerstörte Kabeltrassen der Signaltechnik,
- extrem beengte Arbeitsbedingungen im Tunnelbereich,
- Schäden an sensibler Steuerungstechnik,
- aufwendige Reinigungs- und Sicherheitsarbeiten.
Nach Angaben der BVG werde die Unterbrechung noch mehrere Wochen andauern. Ein konkreter Termin für die Wiederaufnahme des Verkehrs steht bislang nicht fest.

Belastung für die Fahrgäste
Besonders betroffen sind die Menschen, die täglich auf die U9 angewiesen sind. Die BVG erklärt, der Ersatzverkehr mit Bussen im Fünf-Minuten-Takt laufe stabil. Fahrgäste und Journalisten berichten jedoch von einem anderen Bild.
Vor allem in den Morgenstunden zwischen 8 und 9 Uhr seien die Busse häufig überfüllt. Viele Fahrgäste müssten bei Regen und Kälte warten oder einen Teil des Weges zu Fuß zurücklegen. Die Belastung im Berufsverkehr ist entsprechend hoch.
Offene Fragen an den BVG-Vorstand
Im Kern bleibt eine entscheidende Frage unbeantwortet: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Unbefugte Zugang zu sensiblen Betriebsräumen der U-Bahn hatten? Dabei handelt es sich um lebenswichtige Infrastruktur für den öffentlichen Nahverkehr der Stadt.
Ob das Feuer absichtlich gelegt wurde oder aus Unachtsamkeit entstand, ist letztlich zweitrangig. Entscheidend ist, dass diese Bereiche offenbar nicht ausreichend gesichert waren. Die Folgen dieser Sicherheitsmängel tragen nun vor allem die Fahrgäste.

Der Brand am Bahnhof Schloßstraße zeigt, dass es sich nicht um ein isoliertes Ereignis handelt. Wiederholte Vorfälle, lange Ausfälle und fehlende Antworten verstärken den Eindruck, dass bekannte Risiken nicht konsequent angegangen wurden. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wie sicher andere U-Bahnhöfe sind – und warum offensichtliche Schwachstellen so lange bestehen bleiben.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Tödlicher Verkehrsunfall in Paderborn: 26-jähriger Mann stirbt auf der Giselastraße.
