Ulm (Baden-Württemberg) – Kurz vor den Feiertagen sorgt ein Schaden im Ulmer Münster für große Besorgnis. In Deutschlands höchster Kirche mit einer Höhe von 161,5 Metern ist die Große Betglocke beschädigt worden. Ob das historische Klanginstrument jemals wieder läuten kann, ist derzeit offen.Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion unter Bezugnahme auf bild.de.
Über Jahrzehnte hinweg schlug der stählerne Klöppel fast 200.000 Mal pro Jahr gegen die mächtige Glocke. Der Bronze-Guss aus dem Jahr 1454 hielt insgesamt rund 100 Millionen Schläge aus und galt als eindrucksvolles Zeugnis mittelalterlicher Handwerkskunst. Nun steht das 3800 Kilogramm schwere Herzstück des Münsters still.
Wie Glockensachverständiger Martin Nußbaum gegenüber der BILD erklärte, musste die Große Betglocke vorerst außer Betrieb genommen werden. „Die Große Betglocke musste bis auf Weiteres stillgelegt werden. Ich bedaure sehr, dass sie ausgerechnet an Weihnachten nicht mehr erklingen wird“, sagte der Experte. Bei einer Routinekontrolle hatten Mitarbeiter auf der Innenseite der Glocke ein handtellergroßes abgeplatztes Stück Bronze entdeckt. Der Schaden befindet sich am sogenannten Schlagring, genau dort, wo der Klöppel auftrifft.
Nun soll eine aufwendige Untersuchung klären, wie schwer die Beschädigung tatsächlich ist. Nußbaum schließt nicht aus, dass weitere Schwachstellen vorhanden sind. „Die Glocke wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach um ein paar Grad gedreht, damit der Klöppel nicht immer an derselben Stelle anschlägt“, erklärte er. Dadurch könnten sich im Inneren feine Risse gebildet haben, die bislang unentdeckt geblieben sind.
Sicher ist schon jetzt: Eine Reparatur würde teuer werden. Der Gutachter rechnet mit Kosten im mindestens sechsstelligen Bereich – vorausgesetzt, die Glocke kann überhaupt noch gerettet werden. Für das Ulmer Münster wäre das eine erhebliche finanzielle Belastung.

Damit es dennoch nicht völlig still bleibt, greift man auf eine Alternative zurück. Statt der Großen Betglocke erklingt nun die kleinere Landfeuerglocke dreimal täglich zum Vaterunser. Münster-Mesner Ernst-Eberhard Roller sagte der „Südwest Presse“: „Die Glocke ist kleiner und hat einen höheren Ton. Für manche Gottesdienstbesucher klingt das seltsam.“ Trotz der Einschränkungen wolle man den Gläubigen ein würdiges und klangvolles Weihnachtsfest ermöglichen.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Doppelmord an der Costa Blanca: Streit um besetzte Villa eskaliert.
