Ab Montag ab 3:30 Uhr morgens beginnt in Deutschland einer der größten Streiks im öffentlichen Nahverkehr der letzten Zeit. Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem bundesweiten Protest aufgerufen, der Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen in zahlreichen Bundesländern lahmlegt. Für Millionen Fahrgäste bedeutet das massive Einschränkungen auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zu wichtigen Terminen. Besonders betroffen sind Großstädte und Ballungsräume. Verkehrsunternehmen warnen: Selbst dort, wo Notfahrpläne angekündigt sind, kann es kurzfristig zu weiteren Ausfällen kommen. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Warum die Verkehrsbeschäftigten streiken
Verdi fordert bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr. Zu den zentralen Punkten gehören eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Schichtlängen, längere Ruhezeiten zwischen den Einsätzen sowie höhere Zuschläge. In mehreren Bundesländern laufen zusätzlich Tarifverhandlungen über höhere Löhne und Gehälter. Insgesamt beteiligen sich rund 100.000 Mitarbeiter aus etwa 150 kommunalen Verkehrsunternehmen an dem Streik. Nach Angaben der Gewerkschaft sind die aktuellen Arbeitsbelastungen vielerorts kaum noch tragbar und wirken sich auch auf die Sicherheit aus.
Baden-Württemberg: Straßenbahnen fallen aus, Busse nur eingeschränkt
In Karlsruhe entfallen sämtliche Fahrten der Straßenbahnlinien 1, 2, 3, 4, 5, 8, 17 und 18 sowie der Stadtbahnlinie S2 und der VBK-Buslinien. Busse von Subunternehmern verkehren nur eingeschränkt:
– Linie 30 fährt im 30-Minuten-Takt, einzelne Abschnitte entfallen;
– die Linien 31, 62 und 73 ebenfalls im 30-Minuten-Takt;
– die Linien 44 und 47 im 20-Minuten-Takt.
Nicht betroffen sind die Stadtbahnen der AVG im Stadtgebiet Karlsruhe, sie fahren nach regulärem Fahrplan.
In Baden-Baden ist der Betrieb der Buslinien 201, 204–208, 211–214, 216 und 218 komplett eingestellt, auch die MerkurBergbahn fährt nicht. Die Linien 203, 215 sowie einzelne Fahrten der Linie 201E werden bedient. Regionalbusse wie 244, X44, X45, 262 und 292 verkehren planmäßig.
In Heilbronn fällt der gesamte Stadtbahnverkehr auf den Linien S4, S41 und S42 aus.
Bayern: München und Landshut ohne U-Bahn und Tram
Vom Streik betroffen sind die MVG München und die SWL Landshut. In München fallen U-Bahn, Tram und große Teile des Busverkehrs aus, vereinzelt sind unregelmäßige Fahrten möglich. In Landshut wird der städtische Busverkehr voraussichtlich komplett eingestellt. Nicht bestreikt werden die S-Bahn, Regionalzüge sowie Regionalbusse, die weiterhin fahren.
Berlin und Brandenburg: U-Bahn steht, S-Bahn wird verstärkt
In Berlin werden alle U-Bahnen, Straßenbahnen und der Großteil der Buslinien ganztägig bestreikt. Weiterhin fahren jedoch die Buslinien 106, 114, 118, 124, 133, 175, 184, 204, 234, 275, 316, 318, 326 sowie mehrere Nachtlinien. Zusätzlich bietet die S-Bahn Berlin auf der Linie S1 einen verdichteten Betrieb an: Zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz gilt tagsüber ein durchgehender 5-Minuten-Takt.
In Potsdam entfallen alle Fahrten von Straßenbahnen und Fähren. Die Buslinien 118, 316 und 691 verkehren planmäßig, während die Linien 603, 638, 692 und N16 nur teilweise fahren. In Frankfurt (Oder) gilt ein Notfallplan für die Stadtbahnlinien 1, 2, 4 und 5 sowie die Busse 980 bis 987. In Brandenburg an der Havel stehen Busse und Bahnen komplett still.
Norden: Hamburg betroffen, Niedersachsen bleibt streikfrei
In Hamburg fallen Busse und U-Bahnen aus. Nicht betroffen sind die S-Bahn, Regionalzüge, die Fähren der HADAG sowie die On-Demand-Shuttles hvv hop. Zahlreiche Buslinien von vhh.mobility werden vollständig eingestellt, andere verkehren nur sehr eingeschränkt.
Niedersachsen bleibt hingegen streikfrei. Dort gilt die sogenannte Friedenspflicht, die Streiks während eines laufenden Tarifvertrags untersagt. Erst nach Ablauf der Kündigungsfrist darf die Gewerkschaft zu Arbeitskampfmaßnahmen aufrufen.
Regionen mit nahezu vollständigem Stillstand
Besonders starke Einschränkungen gibt es in folgenden Bundesländern:
- Nordrhein-Westfalen: In fast allen großen Städten stehen Busse und Straßenbahnen still, S-Bahnen und Regionalzüge fahren.
- Saarland: Alle 40 Buslinien fallen aus, ebenso die Stadtbahnlinie S1.
- Thüringen: In Erfurt, Jena und Gera ist der öffentliche Nahverkehr vollständig eingestellt.
- Sachsen: In Leipzig kommt es zu einem nahezu kompletten Ausfall, in Dresden fahren keine Straßenbahnen, Regionalzüge und Elbfähren bleiben jedoch in Betrieb.
Überblick nach Regionen
| Region | Nicht in Betrieb | Weiterhin in Betrieb |
|---|---|---|
| Berlin | U-Bahn, Tram, die meisten Busse | S-Bahn (S1) |
| München | U-Bahn, Tram, Busse | S-Bahn, Regionalverkehr |
| Hamburg | Busse, U-Bahn | S-Bahn, Fähren |
| NRW | Busse, Straßenbahnen | S-Bahn, Regionalzüge |
| Niedersachsen | – | Gesamter Nahverkehr |

Was Fahrgäste jetzt beachten sollten
Verkehrsunternehmen raten dringend dazu, sich nicht auf angekündigte Notfahrpläne zu verlassen, ohne diese kurz vor der Fahrt zu überprüfen. Aktuelle Informationen werden laufend auf den Webseiten der Betreiber sowie in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Fahrgästen wird empfohlen, alternative Wege einzuplanen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder nicht zwingend notwendige Wege zu verschieben.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: ver.di-Streik in Berlin am 14.–15. Januar 2026.
