Starke Winde drücken das Meer gegen die Küsten, meterhohe Wellen treffen auf Ortschaften und setzen ganze Gebiete unter Wasser – solche Szenarien könnten an der Nordseeküste künftig deutlich häufiger werden. Davor warnt eine neue Studie des Hereon-Instituts für Küstensysteme in Geesthacht bei Hamburg. Die Forscher sehen ein wachsendes Risiko für massive Schäden durch Sturmfluten. Ursache ist ein Problem, das auf den ersten Blick harmlos klingt, in der Praxis aber gravierende Folgen hat. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion. Die Bilder wurden von der Website verwendet bild.de.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler lagert sich im Wattenmeer immer weniger Sand ab. Dadurch verliert der Meeresboden seine natürliche Funktion als Schutzschild. In der Folge steigen die Wasserstände stärker an als bislang angenommen, und Wellen treffen nahezu ungebremst auf die Küste. Das erhöht die Gefahr von Überschwemmungen erheblich.
Sedimentmangel verschärft die Lage an der Nordsee
Konkret sprechen die Forscher von einer sogenannten „Sedimentlücke“. Sie entsteht, wenn feinkörnige Partikel fehlen, die den Meeresboden anheben könnten. Bleibt dieser Effekt aus, kann der Boden nicht mit dem steigenden Meeresspiegel Schritt halten. Das Resultat: Sturmfluten gewinnen an Kraft, weil die Energie der Wellen kaum noch abgeschwächt wird.
Der Meeresforscher Dr. Achim Wehrmann vom Senckenberg-Institut in Wilhelmshaven bezeichnet die Ergebnisse als deutliches Warnsignal. „Diese neuen Erkenntnisse sind schon ein eindeutiges Alarmzeichen“, sagte er der Nordwest-Zeitung. Besonders bei Sturm und aufgewühlter See wirke sich das Missverhältnis drastisch aus: „Je flacher der Meeresboden, also das Watt, ist, desto extremer wirkt sich die Wassertiefe aus. Die Energie der Wellen wird dadurch weniger gebremst.“
Neue Auswertung alter Satellitendaten
Zu diesen Ergebnissen kamen die Forscher durch eine erneute Analyse von Satellitendaten aus den Jahren 1998 bis 2022. Dank verbesserter Auswertungstechniken ist die heutige Analyse deutlich präziser als früher. Dabei zeigte sich, dass das Volumen der Sedimente, die sich im Wattenmeer ablagern, wesentlich geringer ist als lange angenommen.
Während Experten früher von einem Meeresspiegelanstieg von etwa 25 Zentimetern pro 100 Jahre ausgegangen waren, rechnen sie inzwischen mit rund 40 Zentimetern pro Jahrhundert. Das Wattenmeer verliert damit immer schneller seine Rolle als natürlicher Puffer zum Schutz der Küstenlinie.

Menschlicher Einfluss als zentrales Problem
Ein wesentlicher Grund für den Sandmangel sind laut den Forschern fehlende natürliche Nachschubquellen. Sedimente aus Flüssen oder Salzwiesen gelangen kaum noch ins Meer. „Durch die Eindeichung haben wir fast 90 Prozent unserer Salzwiesen verloren“, kritisiert Wehrmann. Diese Flächen müssten neu geschaffen werden, um den Küstenschutz langfristig zu stabilisieren.
Allerdings sehen die Wissenschaftler dafür eine klare Voraussetzung: Der Mensch müsse sich aus den Küstenebenen zumindest teilweise zurückziehen. Ohne ein Umdenken in der Nutzung der Küstenregionen werde es immer schwieriger, die Nordseegebiete wirksam vor den Folgen zunehmender Sturmfluten zu schützen.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Tödlicher Verkehrsunfall in Paderborn: 26-jähriger Mann stirbt auf der Giselastraße.
