Rio de Janeiro steht unter Schock nach einer der größten Polizeieinsätze in der Geschichte der Stadt. Nach Angaben der Behörden kamen bei der Mega-Razzia mindestens 132 Menschen ums Leben. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Am Dienstag rückten rund 2500 Polizisten und Soldaten in die Favelas Complexo do Alemão und Penha ein, wo die berüchtigte Verbrecherorganisation Comando Vermelho („Rotes Kommando“) operiert, die weite Teile der Stadt kontrolliert. Bei der Aktion kamen auch Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz.
Bürgerkriegsähnliche Szenen in den Favelas
Während des Einsatzes herrschten in den Armenvierteln regelrechte Kriegszustände. Kriminelle steckten Autos und Barrikaden in Brand, warfen Sprengsätze von Drohnen und beschossen Polizeieinheiten. Vier Beamte kamen ums Leben, neun wurden verletzt. Auch drei Zivilisten gerieten ins Kreuzfeuer.
Videos aus der Region zeigen dichte Rauchwolken über den Favelas, minutenlange Schusswechsel und Elite-Polizisten in schwarzer Uniform, die mit Sturmgewehren durch enge Gassen stürmen. Teile der Millionenmetropole standen still: Über 100 Buslinien wurden umgeleitet, Schulen und Universitäten blieben geschlossen.
Erste Zahlen deutlich zu niedrig
Der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Cláudio Castro, erklärte in einem Video auf der Plattform X, dass 60 mutmaßliche Kriminelle „neutralisiert“ und 81 Personen festgenommen worden seien. Zudem habe die Polizei über 90 Schnellfeuerwaffen und mehr als 200 Kilogramm Drogen sichergestellt.
Doch am Mittwochmorgen zeigte sich das wahre Ausmaß der Gewalt. Bewohner der Favela Penha legten 64 Leichen nebeneinander auf einer Hauptstraße ab – viele nur in Unterwäsche, einige notdürftig abgedeckt. Verzweifelte Familien suchten zwischen den Körpern nach ihren vermissten Angehörigen oder trauerten laut um ihre Toten.
Ein Sprecher der Militärpolizei, Marcelo de Menezes Nogueira, sagte dem Fernsehsender TV Globo, dass diese Opfer vermutlich noch nicht registriert seien. Später bestätigte die Justizbehörde offiziell: Mindestens 132 Menschen wurden bei der Operation getötet.





„Ein Maß an Gewalt, das wir noch nie erlebt haben“
Der Aktivist Raull Santiago, der bei der Bergung der Leichen half, sagte zu TV Globo:
„Ich lebe seit 36 Jahren in der Favela und habe viele Polizeieinsätze und Massaker erlebt – aber so etwas noch nie. Das ist etwas Neues: brutal, extrem und beispiellos.“
Rios Sicherheitsminister Victor Santos verteidigte den Einsatz mit den Worten:
„Wir bedauern zutiefst, dass Menschen verletzt wurden, aber dies war eine notwendige, sorgfältig geplante Maßnahme, die fortgesetzt wird.“
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Entführungs-Schock in Berlin: Mutter rettet Sohn aus den Händen eines Fremden.
