Berliner Kunden staunen nicht schlecht: In immer mehr Lidl-Filialen prangen auffällige gelbe Aufkleber mit Vorhängeschloss-Symbol auf alltäglichen Produkten wie Gulasch oder Lachsfilet. Wo früher teurer Kaffee oder Kosmetik gesichert wurde, tauchen nun Anti-Diebstahl-Etiketten auch auf Lebensmitteln in der Kühltheke auf. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
In Filialen wie in Prenzlauer Berg sind unter anderem Rindergulasch für 7,99 Euro, Entrecôte und norwegisches Lachsfilet betroffen. Auch Sushi und Doraden sind in anderen Stadtteilen mit den gleichen gelben Warnhinweisen versehen. Auf den Aufklebern steht: „Gesicherter Artikel – Etikett vor dem Erhitzen entfernen“.
Lidl reagiert auf steigende Diebstahlzahlen
Ein Sprecher des Discounters erklärt gegenüber BILD: „Bei der Diebstahlprävention nutzen wir branchenübliche Maßnahmen, zum Beispiel die individuelle Sicherung vereinzelter Artikel.“ Diese Praxis sei im deutschen Einzelhandel inzwischen völlig üblich – und offenbar notwendig.
Die auffälligen Etiketten basieren auf RF-Technologie (Radiofrequenz). Integrierte Metallspulen werden an der Kasse deaktiviert. Passiert das nicht, schlägt die Sicherheitsschleuse Alarm. Ziel ist es, Diebstahl durch unbemerktes Mitnehmen zu verhindern – auch bei Produkten, bei denen man es früher nicht erwartet hätte.

Warum plötzlich Gulasch? Lidl schweigt
Noch vor wenigen Jahren klebten solche Etiketten fast ausschließlich auf hochpreisigen Kosmetik- oder Kaffeeprodukten. Warum jetzt auch 400-Gramm-Packungen Rindergulasch in die Kategorie „diebstahlgefährdet“ fallen, lässt Lidl offen. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine weiteren Angaben zu Diebstählen und Sicherungssystemen in unseren Filialen machen möchten“, heißt es knapp.

Ladendiebstahl bleibt Milliardenproblem
Die Zahlen sprechen für sich: 2024 wurden in Deutschland über 400.000 Fälle von Ladendiebstahl offiziell registriert – ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2023, aber immer noch deutlich über dem Niveau früherer Jahre. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Das EHI Retail Institute schätzt, dass täglich rund 100.000 Diebstähle gar nicht erst entdeckt oder gemeldet werden. Der Schaden für den Einzelhandel beläuft sich auf fast drei Milliarden Euro jährlich. Besonders brisant: Nicht nur Kunden stehlen. Auch Mitarbeitende, Lieferanten oder externe Dienstleister sind laut EHI regelmäßig beteiligt – mit einem geschätzten Schaden von über einer Milliarde Euro.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Gericht verurteilt Google zu 465 Millionen Euro Schadenersatz – Sieg für Idealo.
