Wenn Liverpool am Montag in der dritten Runde des FA Cups Barnsley an der Anfield Road empfängt, gibt es einen Zuschauer, der dieses Duell mit besonders viel persönlichem Interesse verfolgt. Der frühere Liverpool- und Barnsley-Stürmer sowie Ex-Wales-Nationalspieler Lee Jones sagt, dass ihn dieses Spiel gleich doppelt packt – beide Klubs haben seine Karriere geprägt. In den 1990ern stand er fünf Jahre bei den „Reds“ unter Vertrag, musste sich im Sturm jedoch hinter Namen wie Ian Rush, Robbie Fowler und Stan Collymore einordnen. 1997 wechselte er zu Tranmere Rovers, wo er unter Liverpool-Legende John Aldridge spielte, und anschließend verbrachte er um die Jahrtausendwende zwei Jahre bei Barnsley. Danach kehrte Jones erneut zu seinem Jugendklub Wrexham zurück – dorthin, von wo aus er 1992 ursprünglich nach Anfield gewechselt war. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion unter Bezugnahme auf enguide.pl.
Jones verbindet mit dem FA Cup vor allem Erinnerungen, die sich wie ein Karriere-Katalysator anfühlen. Er gehörte zu dem Wrexham-Team, das 1992 sensationell den damaligen Erstliga-Meister Arsenal ausschaltete, und traf in der nächsten Runde gegen West Ham. „Ich habe ein paar Highlights im FA Cup“, sagte Jones im Vorfeld des Spiels. „Ich war bei Wrexham dabei, als wir 1992 Arsenal geschlagen haben. Wir waren ganz unten in der englischen Pyramide, 92. in der Football League, und Arsenal war amtierender Meister – und wir haben 2:1 am Racecourse gewonnen.“ Und er ergänzte: „Im folgenden Spiel gegen West Ham kam ich als Joker rein und habe zum 2:2 ausgeglichen. Leider haben wir das Replay dann 0:1 verloren.“
Wie der FA Cup Jones nach Anfield brachte
Nach eigener Darstellung öffnete ihm genau diese Pokalphase die Tür nach Liverpool. „Ich glaube, der Wechsel zu Liverpool kam wegen des FA-Cup-Tores gegen West Ham“, erinnerte sich Jones. „Graeme Souness kam drei oder vier Wochen später zu einem meiner Spiele, und am Ende hat er mich verpflichtet.“ Er ordnete den Zeitraum auch ein: Das West-Ham-Spiel sei im Januar gewesen, unterschrieben habe er im März – dazwischen müsse er „einiges richtig gemacht“ haben. Für Jones ist das ein Beispiel dafür, wie schnell ein einzelner Moment im FA Cup eine Laufbahn drehen kann. Und gerade deshalb, so sein Tenor, bleibt diese Runde für Fans und Spieler etwas Besonderes.
Nach dem Karriereende 2013 blieb Jones im Fußball – nur eben in anderen Rollen. Er arbeitete in der Akademie von Tranmere, war als Scout bei Burnley und Middlesbrough unterwegs und stieg im vergangenen Oktober als Assistenztrainer bei Altrincham ein, nachdem er zuvor eine ähnliche Funktion bei Wealdstone hatte. Genau aus dieser Scout-Perspektive kam er auch auf ein Detail zu sprechen, das viele Liverpool-Fans elektrisiert: Er habe Spieler lange vor deren großen Transfers auf dem Radar gehabt. „Ich habe wirklich viele entdeckt“, sagte Jones. „Zum Beispiel haben wir Darwin Nunez beobachtet, als er bei Benfica war – damals, als ich bei Burnley war.“ In einem Atemzug nannte er außerdem Tijjani Reijnders und Mohammed Kudus als Beispiele für Talente, die man früh sieht und später in der Premier League wiedertrifft.

„Entdecken ist das eine – bezahlen und überzeugen das andere“
Jones machte aber klar: Ein Talent zu erkennen sei nur die halbe Arbeit, denn danach komme der schwierigere Teil. Man schaue sich junge Spieler an, verfolge ihre Entwicklung und sehe irgendwann, wie sie ihren Weg in die Premier League finden – doch das bedeute noch lange nicht, dass der eigene Klub sie bekommt. „Man findet schon ein paar echte Perlen“, sagte er sinngemäß, „aber in dem Moment geht es darum, ob der Verein sie sich leisten kann und ob der Spieler überhaupt kommen will.“ Gerade bei Klubs wie Burnley oder Middlesbrough sei das in vielen Fällen die entscheidende Hürde, weil Konkurrenz, Gehalt und sportliches Projekt mitreden. Deshalb landen viele Namen zwar auf Listen – aber nur wenige werden am Ende auch wirklich verpflichtet.
Zum anstehenden Duell Liverpool gegen Barnsley sprach Jones ebenfalls über das besondere Gefühl rund um die dritte Runde des FA Cups. „Es ist ein richtig gutes Los, oder? Als Fußballfan freut sich jeder auf die dritte Runde“, sagte er. Er erklärte zudem, dass er die Ergebnisse mehrerer früherer Stationen weiterhin verfolgt – Wrexham, Liverpool, Barnsley und auch Tranmere. Sollte Wrexham in einer späteren Runde auf Liverpool oder Barnsley treffen, wäre das für ihn erneut ein Spiel mit „gemischten Loyalitäten“. Genau solche Konstellationen, so wirkt es zwischen den Zeilen, machen den FA Cup für ihn bis heute so reizvoll.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Wie Barcelona gegen Real spielte.
