Der Schauspieler Kai Wiesinger, der einst durch seine Rolle in „Kleine Haie“ bekannt wurde, macht erneut auf sich aufmerksam – diesmal nicht auf der Leinwand, sondern im Bücherregal. Sein neuer Roman „Zurück zu ihr“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der von München nach Hannover fährt, um nach drei Jahrzehnten das Mädchen wiederzusehen, in das er zu Schulzeiten verliebt war. Diese Reise wird nicht nur zu einem Weg nach Hause, sondern auch zu einer Rückkehr in die eigene Jugend – ebenso hell, verworren und schmerzhaft wie die Erinnerungen an die erste Liebe. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Der Protagonist heißt Jan. Er lebt seit vielen Jahren in München, arbeitet als Fotograf, ist verheiratet, hat zwei Kinder und scheint mit seinem Leben zufrieden zu sein. Doch die Einladung zum Klassentreffen, das in Hannover stattfinden soll, bringt seine Routine durcheinander. Dort wird Anja sein – „die Anja“, das Mädchen, von dem einst sein gesamtes Gefühlsleben abhing. In der Schule war Jan „zuerst unglücklich verliebt und später selig besessen“, und nun fürchtet er, dass dieses Wiedersehen alles auf den Kopf stellen könnte, was er in den letzten 30 Jahren aufgebaut hat.
Die Fahrt nach Norden verwandelt sich in eine Kette chaotischer Episoden, in denen Fehlentscheidungen, Pannen, verlorene Dinge, zufällige Mitfahrer und absurde Situationen einander ablösen. Wiesinger erzählt fast im Stil eines Stand-ups – schnell, pointiert und mit lebendigen Szenen. Doch, wie der Autor betont, „ist nicht alles lustig“. Hinter dieser scheinbaren Bewegungskomödie verbergen sich Unruhe, Zweifel und die Erkenntnis, dass die Vergangenheit noch immer im Inneren weiterlebt.

Nicht das erste Buch
Es ist nicht Wiesingers erster literarischer Versuch. Zuvor veröffentlichte er den Erzählband „The Paint Is Off“, und die gleichnamige Komödie, bei der er Regie führte und gemeinsam mit seiner Frau Bettina Zimmermann spielte, wurde auf Amazon Prime zum Hit. Doch wie er selbst zugibt, schreibt er am liebsten schlicht und bildhaft. Der Roman enthält scharfe, fast körperliche Vergleiche: Nach der Einladung zum Klassentreffen fühlt sich Jan „wie eine Maus, der ein Metallbügel um den Hals geschnappt ist“. Und Anja in seiner Erinnerung ist ein Mädchen, das „wohl inzwischen fünfzig war, aber in seinem Kopf siebzehn blieb – und ihre wunderbare Brust schien immer noch durch die Welt zu schwingen“.
Je näher Jan Hannover kommt, desto größer wird seine Nervosität. „Jans Hände umklammerten das Lenkrad wie ein Seewolf eine Kartoffel“, schreibt Wiesinger. Jeder Kilometer rückt ihn einem Moment näher, den er zugleich ersehnt und fürchtet. Fantasien über das bevorstehende Treffen werfen ihn zurück in die Vergangenheit, in der „es keine Grenzen gab und ihre Körper miteinander verschmolzen“.

Am Ende erreicht Jan Hannover – zerzaust, erschöpft, aber bereit, dem entgegenzutreten, was seine eigene Erinnerung verbirgt.
Der Roman ist im Scherz Verlag erschienen. Die Buchpräsentation findet am 27. November in der Apostelkirche Hannover auf Einladung der Buchhandlung Leuenhagen & Paris statt. Tickets kosten 20 Euro und sind unter www.leuenhagen-paris.de, kontakt@leuenhagen-paris.de oder telefonisch unter (0511) 313055 erhältlich.
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