In einer Welt, in der Technologie unbegrenzten Komfort und sofortige Wunscherfüllung verspricht, stellt die neue Apple-TV-Serie „Pluribus“ von „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan eine unbequeme Frage: Wie viel Menschlichkeit sind wir bereit aufzugeben, um ohne Schmerz und Chaos zu leben? Die Hauptfigur Carol Sturka, gespielt von Rhea Seehorn, erwacht in einer Realität, in der alle freundlich, hilfsbereit und perfekt höflich sind – doch hinter dieser Fassade ist das Wichtigste verschwunden: echte Emotionen und menschliche Nähe. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Die Geschichte erinnert an alte Folgen der „Twilight Zone“, in denen ein Mensch alles bekommt, was er wollte, nur um zu erkennen, dass er völlig allein ist. Gilligan verwandelt Einsamkeit in einen Spiegel unserer Zeit – einer Ära der sozialen Medien, der perfekten Bilder und der stillen Entfremdung, in der man scheinbar unter Menschen lebt, aber tatsächlich isoliert ist.
Eine Welt ohne Reibung
Der Titel „Pluribus“ (lateinisch für „aus vielen“) wirkt wie ein bitterer Witz – denn jetzt ist nur noch eine übrig. Nach einem mysteriösen Ereignis werden alle um Carol herum identisch: immer lächelnd, stets bereit zu helfen, wiederholen sie monoton: „Wir wollen nur helfen.“ Diese höfliche Monotonie wird zum Albtraum, in dem keine Individualität mehr existiert. Jede Begegnung ist wie ein Blick in einen Spiegel, der nichts zurückgibt.

Science-Fiction mit philosophischem Tiefgang
Gilligan, bekannt durch „Akte X“, „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“, beweist erneut sein Talent, Tragödie, Ironie und schwarzen Humor miteinander zu verbinden. Seine Figuren bewegen sich stets zwischen Moral und Absurdität, und „Pluribus“ ist da keine Ausnahme. Die Zukunft, die er zeigt, ist steril: Militärbasen, Satelliten, leere Straßen und perfekte Lächeln. Doch dahinter steht die Frage: Ist Frieden es wert, die eigene Willensfreiheit zu verlieren?
Menschlichkeit gegen Bequemlichkeit
Eines der zentralen Themen der Serie ist der Tausch von Freiheit gegen Komfort. Carol bekommt alles, was sie will: Essen, Sicherheit, Transport, Ruhe. Eine Bitte genügt, und die Antwort lautet immer: „Natürlich, wir helfen dir.“ Doch in dieser perfekten Welt verliert sie sich selbst. Das Erfüllen aller Wünsche macht keinen Sinn mehr, weil niemand widerspricht, niemand streitet, niemand liebt. Einsamkeit bedeutet hier nicht, allein zu sein – sondern keine Reibung, keine Lebendigkeit mehr zu spüren.
Humor als Rettung
Ohne Gilligans typischen Humor wäre „Pluribus“ kaum auszuhalten. Rhea Seehorn verleiht Carol eine Mischung aus Sarkasmus, Müdigkeit und innerer Stärke. Als der Fernseher plötzlich mit ihr spricht – mit der beruhigenden Stimme eines Mannes, der ihr versichert, dass „alles gut wird“ – reagiert Carol nicht mit Angst, sondern mit einem skeptischen Blick, der mehr sagt als tausend Worte. Diese kleinen menschlichen Momente machen die Serie lebendig.
Einsamkeit als Spiegel unserer Zeit
„Pluribus“ ist nicht nur die Geschichte einer Frau, sondern eine Allegorie auf unsere Gesellschaft, in der Technologie und soziale Medien Empathie in Algorithmen verwandelt haben. Wir bekommen alles – schnell, bequem, exakt – aber wir sehen einander nicht mehr. Gilligan stellt die bittere Frage: Wenn man Konflikte, Schmerz und Streit eliminiert, bleibt dann überhaupt noch etwas Menschliches übrig?
Die Kraft der Bilder
Gedreht wurde „Pluribus“ in Albuquerque – einer Landschaft, die Gilligan schon in früheren Projekten prägte. Die riesigen, leeren Flächen, der endlose Horizont und die staubigen Straßen bilden einen scharfen Kontrast: draußen grenzenlose Freiheit, drinnen ein Gefängnis. Selbst der Himmel wirkt hier wie ein gläsernes Dach, das die Hauptfigur gefangen hält.

„Pluribus“ ist mehr als Science-Fiction – es ist eine moderne Parabel über den Preis der Harmonie. Gilligan zwingt die Zuschauer zu spüren, wie beängstigend Vollkommenheit sein kann, wenn der Mensch darin keinen Platz mehr hat. In einer Welt, in der alles perfekt funktioniert, bleibt kein Raum für echte Gefühle. Und wenn Einsamkeit der Preis für Ruhe ist, zahlen wir ihn vielleicht schon längst.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Im Netz sind 5 Minuten von „Stranger Things“ aufgetaucht: Erscheinungsdatum, was uns erwartet und wohin die Drehbuchautoren führen.
