LinkedIn wird immer häufiger nicht nur für die Arbeit genutzt. Nutzer schauen dort vorbei, um Ex-Partner oder Menschen aus der Vergangenheit zu beobachten. Dabei geschieht das bewusst und regelmäßig. Die Plattform, die ursprünglich als reines Karrierenetzwerk gedacht war, hat sich unerwartet zu einem Werkzeug für persönliche Beobachtung entwickelt. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion unter Bezugnahme auf bankrecht-ratgeber.de.
Der Grund ist einfach. Auf LinkedIn gibt es keine Stories und keine Filter. Stattdessen finden sich dort echte Positionen, Unternehmen und Städte. Genau deshalb lässt sich hier leichter überprüfen, wie sich das Leben eines Ex-Partners entwickelt hat als in anderen sozialen Netzwerken. Das macht die Plattform besonders attraktiv.
Die 25-jährige Brand-Managerin aus Phoenix, Branda Statman, gibt zu, mehrfach in peinliche Situationen geraten zu sein. Sie besuchte die Profile von Ex-Partnern und potenziellen Dates. Dabei vergaß sie jedoch, den anonymen Modus zu aktivieren. In der Folge sahen die Betroffenen, wer ihr Profil aufgerufen hatte.
„Ein paar Männer haben mich direkt gefragt, warum ich ihr Profil besucht habe“, erzählt Statman.
Ein Vorfall war besonders unangenehm. Das Profil eines Mannes wurde von ihrer Mutter angesehen. Später kam das zur Sprache, und Statman musste sich erklären.
„Manchmal erzähle ich meiner Mutter zu viel. In Wahrheit war sie es einfach — sie hat geschaut und gestalkt“, gibt Statman zu.
Premium wird immer öfter wegen des Inkognito-Modus gekauft
LinkedIn funktioniert nach einem Freemium-Modell. In der kostenlosen Version hinterlassen Nutzer eine digitale Spur. Man sieht, wer das eigene Profil besucht hat, wenn man selbst ebenfalls sichtbar bleibt. Die kostenpflichtigen Abos lösen dieses Problem. Sie ermöglichen anonymes Surfen.
Deshalb kaufen viele LinkedIn Premium nicht wegen der Karriere. Sie zahlen dafür, um nicht aufzufallen. Das bestätigen die Nutzer selbst.
Am häufigsten wird LinkedIn genutzt, um:
- zu überprüfen, ob jemand vor einem Date bei Job oder Firma gelogen hat;
- Ex-Partner Monate oder sogar Jahre nach der Trennung zu beobachten;
- Profile von Angehörigen ehemaliger Partner anzusehen;
- Personen aus der Vergangenheit diskret zu verfolgen, ohne Kontakt aufzunehmen.
Die 30-jährige Werbefachfrau aus New York, Dakota Rae Lowe, sagt das offen.
„Ich zahle für Premium, weil ich nicht peinlich wirken möchte“, erklärt sie.
Gleichzeitig besucht ihr Ex-Partner weiterhin ihr Profil — ohne anonymen Modus. Ihrer Aussage nach wirkt das seltsam und aufdringlich.
Wenn Beobachtung zur Belastung wird
Im Bericht von Business Insider wurden Dutzende ähnliche Geschichten gesammelt. Einige Nutzer stellten fest, dass Ex-Partner ihre Profile fast täglich aufriefen. Andere erhielten Likes und Nachrichten lange nach der Trennung. In manchen Fällen zeigten sogar die Eltern der Ex-Partner Interesse.
Experten weisen darauf hin, dass LinkedIn den Effekt der Über-Sichtbarkeit verstärkt. Nutzer werden dazu gedrängt, möglichst offen aufzutreten. Das ist beruflich relevant. Gleichzeitig hat diese Transparenz ihren Preis.
„Uns wurde beigebracht zu glauben, dass permanente Sichtbarkeit zum Erfolg führt. Gleichzeitig öffnet sie den Zugang zu persönlichen Informationen für Menschen, die sie nicht sehen sollten“, erklärt die Social-Media-Forscherin Brooke Erin Duffy.
Die Informatikprofessorin Rosanna Bellini ergänzt, dass LinkedIn weniger flexible Datenschutzeinstellungen bietet als andere Plattformen.
„Es wird erwartet, dass ein Profil vollständig ausgefüllt ist. Fehlende Angaben gelten als Nachteil im Bewerbungsprozess“, sagt Bellini.
Am Ende stehen viele Nutzer vor einer Entscheidung. Entweder sichtbar für Recruiter sein. Oder sich sicher fühlen. Beides gleichzeitig zu erreichen, gelingt nicht immer.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Datenleck bei Instagram: 17 Millionen Nutzer betroffen.
