In den USA beginnt ein aufsehenerregender Gerichtsprozess, der die Regeln für große soziale Netzwerke grundlegend verändern könnte. Erstmals müssen sich TikTok, Meta und YouTube vor einer Jury gegen den Vorwurf verteidigen, ihre Plattformen schadeten der psychischen Gesundheit junger Menschen. Geklagt haben eine 19-jährige Frau, die in den Akten als KGM geführt wird, sowie ihre Mutter Karen Glenn. Sie werfen den Unternehmen vor, bewusst süchtig machende Funktionen entwickelt zu haben, die zu psychischen Problemen, Selbstverletzungen und suizidalen Gedanken geführt hätten. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Laut Klage wussten die Plattformen jahrelang um die Risiken, steigerten aber dennoch gezielt die Nutzerbindung. Snap war ebenfalls Beklagter, einigte sich jedoch bereits auf einen Vergleich mit unbekannten Bedingungen. Nun richtet sich der Blick auf den Prozess in Los Angeles, der mehrere Wochen dauern und Signalwirkung für über 1 000 ähnliche Klagen haben könnte.
Worum es in der Klage geht
Gerichtsdokumenten zufolge begann KGM bereits im Alter von zehn Jahren mit der Nutzung sozialer Netzwerke – trotz Versuchen ihrer Mutter, den Zugang per Software zu sperren. Die Plattformen seien so gestaltet worden, dass Kinder elterliche Schutzmaßnahmen umgehen könnten. Endloses Scrollen, permanente Benachrichtigungen und Empfehlungsalgorithmen hätten ein zwanghaftes Nutzungsverhalten gefördert und den psychischen Zustand verschlechtert.
Zudem wirft die Klage Instagram und Snapchat vor, Kontakte zu Fremden erleichtert zu haben, darunter auch zu Erwachsenen mit kriminellen Absichten. Instagram und TikTok hätten KGM außerdem gezielt depressive Inhalte sowie problematische Körper- und Vergleichsbilder ausgespielt. Auf Instagram sei sie Opfer von Mobbing und Sextortion geworden, während die Reaktion der Plattform Wochen gedauert habe.
„Bewusste Entscheidungen in Design, Vermarktung und Betrieb der Produkte haben schwere emotionale und psychische Schäden verursacht“, heißt es in der Klageschrift.
Genannt werden unter anderem Angststörungen, Depressionen, Selbstverletzungen und Körperbildstörungen.
Warum der Prozess wegweisend sein könnte
Der Fall KGM gehört zu einer Reihe sogenannter Leitverfahren innerhalb eines großen Sammelverfahrens mit rund 1 500 Klagen gegen Meta, TikTok, YouTube und Snap. Das Urteil könnte milliardenschwere Schadenersatzforderungen nach sich ziehen. Erwartet werden auch Aussagen von Spitzenmanagern der Konzerne – eine Seltenheit vor US-Gerichten.
Seit Jahren wächst der gesellschaftliche Druck. Eltern, Mediziner und Aktivisten warnen vor Suchtmechanismen, Cybermobbing und Schlafstörungen bei Jugendlichen. Zwar mussten sich Tech-Chefs bereits vor dem US-Kongress verantworten, spürbare Konsequenzen blieben bislang jedoch aus.
„Das sind die Tabakprozesse unserer Generation“, sagte Sarah Gardner von der Heat Initiative.
„Zum ersten Mal geht es wirklich um Verantwortung.“

Was die Unternehmen entgegnen
Die Tech-Konzerne weisen einen direkten Zusammenhang zwischen ihren Plattformen und psychischen Schäden zurück. Sie verweisen auf fehlende eindeutige Studien und betonen positive Effekte wie soziale Vernetzung. Zudem berufen sie sich auf Section 230, ein US-Gesetz, das sie vor Haftung für Nutzerinhalte schützt.
Richterin Carolyn Kuhl stellte jedoch klar, dass auch Designentscheidungen – etwa endloses Scrollen – geprüft werden müssten. Meta spricht von einer „verzerrten Darstellung“ und verweist auf Teen-Konten, elterliche Kontrolle und KI-Systeme. YouTube weist die Vorwürfe zurück, TikTok äußerte sich nicht.
Viele Eltern und Experten halten diese Maßnahmen für unzureichend. Nun entscheidet eine Jury, wie überzeugend die Argumente der Konzerne sind.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Lenovo bereitet die ersten Gaming-Laptops mit Windows on Arm vor.
