Die Europäische Kommission hat ein Kartellverfahren gegen die Deutsche Börse und die US-Technologiebörse Nasdaq eingeleitet. Der Verdacht: Die beiden Konkurrenten könnten sich über Jahre hinweg bei Handel, Notierung und Abwicklung von Finanzderivaten abgestimmt haben – ein klarer Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht. Laut Brüssel soll untersucht werden, ob es geheime Absprachen gab, um direkte Konkurrenz auf dem europäischen Markt zu vermeiden. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Im Mittelpunkt steht der Verdacht, dass die Deutsche Börse und Nasdaq den Markt untereinander aufgeteilt, Preise koordiniert und vertrauliche Geschäftsinformationen ausgetauscht haben. Damit könnten sie gegen Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verstoßen, der Preisabsprachen und wettbewerbsbeschränkende Kooperationen verbietet.
Worum geht es bei den möglichen Verstößen?
Nach Angaben der Kommission stehen drei potenzielle Verstöße im Fokus:
- Aufteilung der Nachfrage – mögliche Absprachen, welche Kunden und Finanzinstrumente zu welcher Plattform gehören.
- Preisabsprachen – koordinierte Festlegung von Gebühren oder Handelskosten für Derivate.
- Austausch vertraulicher Informationen – Verdacht auf Weitergabe sensibler Daten über Marktstrategien und Kundenbeziehungen.
Bereits im September 2024 führte die EU-Kommission unangekündigte Durchsuchungen in den Büros beider Börsen durch. Nach der Auswertung der Daten wurde das Verfahren nun offiziell eröffnet. Die Kommission betonte, dass die Einleitung des Verfahrens keine Vorverurteilung bedeutet, sondern Ausdruck der Schwere der Verdachtsmomente ist.
Welche Folgen drohen der Deutschen Börse und Nasdaq?
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen den Unternehmen Geldbußen von bis zu zehn Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes. Für die Deutsche Börse könnte das Milliardenverluste bedeuten. Neben Geldstrafen sind auch strukturelle Maßnahmen denkbar – etwa die Verpflichtung, Geschäftsbereiche zu trennen oder Marktpraktiken zu ändern, um künftige Verstöße zu verhindern.

Die Finanzmärkte reagierten prompt: Die Aktien der Deutschen Börse fielen im Frühhandel um mehr als sechs Prozent. Analysten warnen, dass ein langwieriges Verfahren das Vertrauen der Investoren erschüttern und weitreichende Folgen für den europäischen Finanzsektor haben könnte.
Die Europäische Kommission betonte, dass die Untersuchung mit höchster Priorität geführt wird. Ziel sei ein „fairer und transparenter Binnenmarkt“, frei von Absprachen zwischen dominanten Akteuren der Finanzindustrie.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben BYD-Aktie unter Druck.
