Die US-Notenbank steht kurz vor ihrer Zinsentscheidung, und an den Finanzmärkten gilt der Ausgang nahezu als sicher. Die Fed dürfte den Leitzins im Korridor von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen und damit nach mehreren Zinssenkungen eine Pause einlegen. Laut dem Terminmarkt der CME lag die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario am Vortag der Entscheidung bei über 97 Prozent. Doch diesmal geht es nicht nur um Zahlen – sondern auch um politischen Druck und die Unabhängigkeit der Notenbank. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Es ist die erste Entscheidung der Fed nach einer Reihe außergewöhnlicher Ereignisse: juristische Auseinandersetzungen, Ermittlungen und ein offener Konflikt zwischen dem Weißen Haus und Fed-Chef Jerome Powell. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit für die anschließende Pressekonferenz – sie könnte wichtiger werden als der Zinsentscheid selbst.
Warum die Fed eine Pause einlegt
Das aktuelle Zinsniveau ist das Ergebnis eines Lockerungszyklus, den die Fed im Herbst 2024 gestartet hatte. Insgesamt senkte die Notenbank die Zinsen um 1,75 Prozentpunkte, um die Wirtschaft angesichts eines nachlassenden Arbeitsmarktes zu stützen. Nun sehen viele Mitglieder des Offenmarktausschusses den Zeitpunkt gekommen, die Wirkung dieser Maßnahmen abzuwarten.
Tim Duy, Chefökonom von SGH Macro Advisors, sprach gegenüber Bloomberg von einem „Moment des Durchatmens“. Die Notenbank versuche, die Inflationsrisiken gegen die Lage am Arbeitsmarkt abzuwägen, bevor weitere Schritte folgen. Eine abwartende Haltung gilt derzeit als der logischste Kurs für die Fed.
Gemischte Signale aus der US-Wirtschaft
Das wirtschaftliche Bild bleibt widersprüchlich. Einerseits zeigt sich der Arbeitsmarkt relativ stabil: Die Arbeitslosenquote sank im Dezember von 4,5 auf 4,4 Prozent, die Zahl der Arbeitslosen ging um rund 280.000 zurück. Diese Daten dämpfen die Sorgen vor einem starken Abschwung.
Andererseits liegt die Inflation weiterhin über dem Zielwert der Fed. In den Monaten November und Dezember verharrte sie bei rund 2,7 Prozent, die Kerninflation fiel leicht auf 2,6 Prozent. Fortschritte sind erkennbar, doch das Ziel von 2 Prozent ist noch nicht erreicht. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte zuletzt, er sehe keinen Grund zur Eile bei weiteren Zinssenkungen.
Auch das Wachstum liefert widersprüchliche Signale. Das GDPNow-Modell der Fed von Atlanta deutet auf eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität zum Jahresende hin. Zudem hob der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft 2025 auf 2,1 Prozent an – ein weiteres Argument für Zurückhaltung.
Politischer Druck und der Kampf um die Unabhängigkeit der Fed
Die wirtschaftlichen Daten sind nur ein Teil des Bildes. Das Treffen findet unter starkem politischen Druck statt. Donald Trump drängt offen auf eine lockerere Geldpolitik und kritisiert die Fed scharf. Der Streit um Zinssenkungen hat sich längst zu einer grundsätzlichen Debatte über die Unabhängigkeit der Notenbank ausgeweitet.
Im Fokus stehen Versuche, den Einfluss des Präsidenten auf den Gouverneursrat auszuweiten. Der Oberste Gerichtshof der USA hat zuletzt signalisiert, dass er eine Aushöhlung der Unabhängigkeit der Fed nicht akzeptieren will. Richter Brett Kavanaugh warnte, ein solcher Schritt könne die Notenbank „schwächen oder sogar zerstören“.
Powell im Visier
Besonders im Fokus steht Fed-Chef Jerome Powell selbst. Gegen ihn läuft eine Untersuchung wegen der teuren Renovierung des Fed-Hauptsitzes in Washington, zudem erhielt er eine Vorladung vor eine Grand Jury. Powell machte deutlich, dass er darin eine Reaktion auf die unabhängige Geldpolitik der Fed sieht.
„Die Androhung strafrechtlicher Konsequenzen ist eine Folge davon, dass die Fed ihre Entscheidungen auf Grundlage dessen trifft, was der Wirtschaft dient – und nicht nach den Wünschen des Präsidenten“, sagte Powell.
Zwar endet Powells Amtszeit als Vorsitzender im Mai, doch er könnte bis 2028 Mitglied des Gouverneursrats bleiben. Damit wäre der Einfluss des Weißen Hauses auf die Fed auch langfristig begrenzt.
Wie es weitergeht
Die Mehrheit der Entscheidungsträger setzt derzeit auf Abwarten, auch wenn es innerhalb der Fed weiterhin unterschiedliche Meinungen gibt. Weitere Zinssenkungen sind nicht ausgeschlossen, falls sich der Arbeitsmarkt deutlich verschlechtert. Vorerst dominiert jedoch Vorsicht.
Die Märkte werden jedes Wort Powells genau verfolgen – insbesondere seine Aussagen zu Migration, Beschäftigung und politischem Druck. Dieses Mal könnte die Pressekonferenz den zukünftigen Kurs der Fed stärker prägen als der Zinsentscheid selbst.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Deutschland führt Grundsicherung für Arbeitslose ein – Was das ist, wann sie startet und wie viel gezahlt wird.
