Selbstbewusster Auftritt, blitzende Orden, makellose Paradeuniform – der Mann, der sich beim Remembrance Sunday in Llandudno unter die Veteranen mischte, wirkte wie ein hochrangiger Offizier der Royal Navy. Doch alles war nur Fassade: Jonathan David C., 64 Jahre alt, war nie Admiral – sondern ein ehemaliger Lehrer, der sich selbst befördert hatte. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Die Szene hätte aus einem Film stammen können: Der angebliche Marineoffizier legte mit ernster Miene einen Kranz nieder, angeblich im Namen des Lord Lieutenants von Clwyd, dem offiziellen Vertreter des britischen Königs in der Region. Das Problem: Das Büro des Lord Lieutenants hatte von dieser Aktion keine Kenntnis und erklärte später, den Mann noch nie gesehen zu haben.
Ein Admiral aus dem Nichts
Die Uniform des Mannes war reich dekoriert – unter anderem mit der Distinguished Service Order und der Queen’s Volunteer Reserves Medal, beides Auszeichnungen, die echten Offizieren für Tapferkeit und besonderen Einsatz verliehen werden. Doch bei Überprüfung stellte sich heraus: Kein einziger dieser Orden war jemals offiziell auf den Namen von Jonathan David C. ausgestellt worden.
Schon 2019 soll der falsche Admiral bei einer ähnlichen Gedenkveranstaltung aufgetaucht sein – wieder in voller Montur. Laut britischen Medien war C. über viele Jahre Lehrer an verschiedenen Colleges, unter anderem am renommierten Cheltenham College. 1988 war er dort tatsächlich als Ausbilder im Schüler-Offizierskorps registriert – mehr aber auch nicht.
„Admiral? Eher Kostümabteilung“
Das Urteil des sogenannten Walter Mitty Hunters Club, einer Organisation zur Aufdeckung falscher Kriegshelden, fiel entsprechend deutlich aus: „Admiral? Eher Kostümabteilung.“ Die Gruppe überprüft regelmäßig Fälle von Personen, die sich fälschlicherweise als Veteranen oder Offiziere ausgeben – und meldete sich prompt nach dem Auftritt in Llandudno zu Wort.

Mögliche Konsequenzen für den Hochstapler
Jonathan David C. könnte nun juristischen Ärger bekommen. In Großbritannien ist es strafbar, sich unberechtigt als Angehöriger der Streitkräfte auszugeben – insbesondere, wenn dabei Uniformen oder Orden getragen werden. Wer dabei auch noch in die Irre führen will, muss mit bis zu drei Monaten Haft oder einer Geldstrafe rechnen.
Dass er nicht zum ersten Mal in Uniform bei Gedenkfeiern auftaucht, könnte gegen ihn sprechen. Bisher blieb sein Verhalten offenbar folgenlos – doch nun stehen die Chancen gut, dass der selbsternannte Admiral für seinen Auftritt Konsequenzen zu spüren bekommt.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Schumi-Erpressung vor Gericht: Familie fordert härteres Urteil.
