Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass der Leiter seines Präsidentsbüros, Andrij Jermak, seinen Rücktritt eingereicht hat. Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund morgendlicher Durchsuchungen und eines deutlichen Anstiegs des Interesses an der „Midas“-Ermittlung. Zudem wird in politischen Kreisen intensiv diskutiert, warum Jermak entlassen wurde und ob sein Rücktritt mit dem wachsenden Druck rund um den Fall Myndytsch zusammenhängt. Selenskyj betonte, er wolle Spekulationen vermeiden, da derzeit wichtige Gespräche mit den USA stattfinden. Somit wurde die Entscheidung Teil eines umfassenderen Neustarts im Präsidentsbüro. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Durchsuchungen bei Jermak und erste bestätigte Details
Am Morgen berichteten Medien, dass Ermittler von NABU und SAPO mit Durchsuchungsbefehlen im Regierungsviertel eingetroffen seien. Journalisten bemerkten etwa zehn Mitarbeiter, die auf das Gelände gelangten. Später bestätigten die Abgeordneten Jaroslaw Schelesnjak und Oleksij Hontscharenko diese Informationen in ihren Telegram-Kanälen. Danach veröffentlichte NABU eine Erklärung und teilte mit, dass die Maßnahmen im Rahmen einer laufenden Ermittlung stattfinden, deren Details später bekannt gegeben würden. Jermak selbst schrieb, dass die Durchsuchungen in seiner Wohnung stattfinden, und betonte, dass er mit den Ermittlern kooperiere und den Prozess nicht behindere.



„Midas“ und die „Myndytsch-Aufnahmen“: Wie die Ermittlung eine neue Stufe erreicht
Nach Angaben von Quellen von RBK-Ukraine könnten Ermittler den Besuch bei Jermak mit der Operation „Midas“ in Verbindung bringen. Später bestätigte der Financial-Times-Journalist Christopher Miller diese Version. Er erklärte, seine Quellen betrachteten den Besuch der Ermittler als Teil einer großen Untersuchung im Energiesektor. Zuvor hatte NABU Durchsuchungen beim Unternehmer Tymur Myndytsch durchgeführt, der als präsidentennah gilt. Myndytsch verließ das Land wenige Stunden vor dem Eintreffen der Ermittler. Zudem fanden Ermittler Durchsuchungen beim Ex-Minister Herman Haluschtschenko sowie bei „Energoatom“ durch, wo laut den Ermittlungen ein System illegaler Zahlungen aus Vertragsvergaben existiert haben soll.
Warum Jermak entlassen wurde und was im Parlament diskutiert wird
Nach den Veröffentlichungen über die „Myndytsch-Aufnahmen“ begannen in Parlamentsbüros Gespräche über Personalentscheidungen. Einige Abgeordnete der Partei „Diener des Volkes“ erklärten, sie unterstützten den Neustart des Präsidentsbüros. Außerdem erhielt Selenskyj Signale, dass schnelle Schritte notwendig seien. Am Abend erklärte der Präsident, der Rücktritt Jermaks werde Teil der internen Erneuerung. Er dankte Jermak für die jahrelange Arbeit und dafür, dass er die ukrainische Position in internationalen Verhandlungen vertreten hatte. Dennoch löste allein die Tatsache des Rücktritts eine neue Welle von Diskussionen über die Zukunft des Präsidialamts und die bevorstehenden Ernennungen aus.

Arbeit der Ermittler und neue Schritte der Regierung
Die Ermittler prüfen weiterhin Unterlagen und befragen Beteiligte im Fall „Midas“. Gestern sprach NABU mit dem Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Rustem Umjerow, vor dem Hintergrund von Gerüchten über möglichen Einfluss Myndytschs. Gleichzeitig führte Selenskyj Gespräche mit der Parlaments- und Regierungsführung über schnelle Entscheidungen und neue Gesetzesinitiativen. NABU-Direktor Semjon Krywonos erklärte, er könne weder bestätigen noch dementieren, ob Jermak an der mutmaßlichen Korruptionsstruktur beteiligt war. Solche Informationen würden vor Abschluss der Ermittlungen nicht veröffentlicht. Offizielle Schlussfolgerungen zur Rolle Jermaks liegen derzeit also nicht vor.

Wer ist Andrij Jermak?
Andrij Jermak war seit 2020 Leiter des Präsidentsbüros der Ukraine und einer der engsten politischen Partner Selenskyjs. Er war für internationale Verhandlungen, diplomatische Kanäle und die interne Koordination der Regierung zuständig. Zudem galt Jermak als eine der einflussreichsten Figuren der ukrainischen Politik. Doch seit Beginn der „Midas“-Ermittlungen und der Gerüchte über die „Myndytsch-Aufnahmen“ verstärkten sich Diskussionen über seinen möglichen Rücktritt. Nun sind diese Gespräche in eine offizielle Entscheidung übergegangen.
Zur Erinnerung: Wir berichteten auch darüber, dass Die Zahl der Todesopfer nach dem Brand in Hongkong ist auf 94 gestiegen.
