Die Nachricht über den Rücktritt von Andrij Jermak wurde zu einem der meistdiskutierten politischen Ereignisse in der Ukraine. Seine Erklärung erfolgte unmittelbar nach Hausdurchsuchungen und neuen Details aus der Untersuchung zum Fall „Midas“, in dem mögliche Korruptionsverbindungen einzelner Vertreter des Umfelds geprüft werden. Wolodymyr Selenskyj kündigte eine „Neustart“-Phase des Präsidialamts an – und sofort begann die Frage zu звучen, wer Jermaks Nachfolger werden könnte. Offizielle Kandidaturen gibt es bislang nicht, doch Medien und politische Beobachter skizzieren bereits eine Liste potenzieller Nachfolger. Jede dieser Figuren hat eigene Stärken – und Risiken, die die Entscheidung des Präsidenten beeinflussen könnten. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Iryna Mudra
Iryna Mudra ist stellvertretende Leiterin des Präsidialamts und zuständig für den juristischen und völkerrechtlichen Bereich. Dieser Bereich ist in Kriegszeiten zentral: internationale Klagen, die Konfiszierung russischer Vermögenswerte und die Vorbereitung von Reparationsmechanismen. In ihrer öffentlichen Rhetorik betont Mudra die Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit – völlig im Einklang mit der Sensibilität rund um den Fall „Midas“. Sie arbeitet eng mit westlichen Partnern zusammen und genießt deren Vertrauen. Gleichzeitig verfügt sie noch nicht über ein großes politisches Netzwerk, was ihre Fähigkeiten als Managerin einer so mächtigen Struktur wie dem Präsidialamt begrenzen könnte.
Was für sie spricht:
- tiefes Verständnis der internen Abläufe des Präsidialamts;
- hohes Vertrauen internationaler Partner;
- deutlicher Fokus auf Antikorruption und juristischer Transparenz;
- keine belastenden politischen Konfliktlinien.
Was gegen sie spricht:
- relativ geringes politisches Gewicht;
- mögliche Wahrnehmung als Übergangsfigur;
- wenig Erfahrung in der Führung großer politischer Teams.
Julija Swyrydenko
Die Premierministerin der Ukraine ist eine der einflussreichsten Akteurinnen der Regierung. Viele sehen in ihr eine Politikerin, die in der Lage wäre, Prozesse zu stabilisieren und die Machtvertikale zu stärken. Ihre internationalen Kontakte, ihre Erfahrung im Krisenmanagement und ihr Profil als wirtschaftlich orientierte Führungsperson machen Swyrydenko zu einer starken Kandidatin. Allerdings würde ihr möglicher Wechsel ins Präsidialamt automatisch eine umfassende Regierungsumbildung erfordern – inklusive der Ernennung einer neuen Premierministerin oder eines neuen Premierministers sowie neuer Abstimmungen im Parlament. Das macht dieses Szenario politisch äußerst anspruchsvoll.
Argumente dafür:
- hoher Status und internationale Anerkennung;
- langjährige Erfahrung in der Staatsverwaltung;
- Fähigkeit, Verantwortung in Krisen zu übernehmen;
- mögliche Stärkung des Präsidialamts als strategisches Zentrum.
Argumente dagegen:
- Notwendigkeit einer vollständigen Regierungsneustrukturierung;
- Risiko wirtschaftlicher Instabilität in der Übergangsphase;
- politisch sehr hoher Preis eines solchen Schritts.
Oksana Markarowa
Die ehemalige Botschafterin der Ukraine in den USA und frühere Finanzministerin gilt als starke internationale Verhandlerin. Sie verfügt über ein hervorragendes Netzwerk in Washington und versteht die Logik westlicher Unterstützung wie kaum eine andere ukrainische Politikerin. In Kriegszeiten wäre eine solche Figur an der Spitze des Präsidialamts ein deutliches Signal an die Partnerländer. Gleichzeitig hat Markarowa öffentlich betont, dass sie kein Angebot zur Übernahme des Amts erhalten hat und derzeit keine Rückkehr in die ukrainische Staatspolitik plane.
Dafür sprechen:
- starker internationaler Rückhalt, besonders in den USA;
- technokratische Erfahrung und Krisenkompetenz;
- Vertrauensbonus bei westlichen Institutionen;
- Fähigkeit, das Image des Präsidialamts nach außen zu stärken.
Dagegen sprechen:
- klares öffentliches Dementi;
- fehlende aktuelle Einbindung in die ukrainische Innenpolitik;
- mögliche Unvereinbarkeit mit dem aktuellen Stil des Präsidialamts.
Andrij Sybiha
Der erfahrene Diplomat und stellvertretende Leiter des Präsidialamts ist für strategische internationale Verhandlungen zuständig. Sybiha gilt als einer der diskretesten und professionellsten Beamten in der Präsidentenumgebung. Er ist konfliktarm, konzentriert und zuverlässig – Qualitäten, die in Kriegszeiten besonders wertvoll sind. Allerdings wäre seine Ernennung kaum ein starkes Symbol des politischen Neustarts, das Selenskyj womöglich erreichen möchte.
Stärken Sybihas:
- tiefe diplomatische Expertise;
- langjährige Erfahrung in staatlichen Strukturen;
- nahezu konfliktfreies politisches Profil;
- hohe Kompatibilität mit der bestehenden Mannschaft im Präsidialamt.
Schwächen:
- geringe mediale Präsenz;
- kaum Verbindung zur Antikorruptionsagenda;
- weniger präsent in internen Prognosen und Insiderberichten.
Dmytro Kuleba
Der Außenminister zählt zu den prominentesten politischen Gesichtern der Ukraine weltweit. Kuleba besitzt hohes internationales Gewicht, starke kommunikative Fähigkeiten und umfassende Erfahrung in Verhandlungen mit Partnerstaaten. Seine Ernennung wäre ein politisches Symbol: diplomatische Stärke, internationale Solidarität und geopolitische Stabilität. Doch sein Wechsel ins Präsidialamt würde das Außenministerium schwächen – insbesondere in einem Moment, in dem jeder дипломатische Schritt zählt.
Dafür sprechen:
- außergewöhnlich hoher internationaler Status;
- starke mediale Präsenz;
- Verstärkung der außenpolitischen Positionen der Ukraine;
- signifikanter Rückhalt unter westlichen Verbündeten.
Dagegen sprechen:
- potenzielle Schwächung des Außenministeriums;
- große politische Eigenständigkeit;
- schwierige Anpassung an die interne, eher administrative Struktur des Präsidialamts.

Die Lage entwickelt sich weiter, und Wolodymyr Selenskyj hat bisher keinen einzigen offiziellen Kandidaten genannt. Der Rücktritt Jermaks ist nur der erste Schritt in einer möglichen breiten Personalneuordnung, während der Fall „Midas“ weiterhin im Fokus der Ermittlungen bleibt. In den kommenden Tagen sind neue Signale und mögliche Entscheidungen zu erwarten — und sie könnten die politische Architektur des Landes deutlich verändern.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Andrij Jermak ist zurückgetreten: Wer er ist und welche Rolle er im Büro des Präsidenten der Ukraine spielt.
