Bei klirrendem Frost sind die ehrenamtlichen Helfer der Berliner Stadtmission jede Nacht unterwegs, um obdachlosen Menschen zu helfen. Doch nun sind die Retter selbst in Not geraten. In der Nacht zu Sonntag sind in Berlin-Moabit zwei von insgesamt drei Kältebussen der Stadtmission in Flammen aufgegangen. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion. Die Bilder wurden von der Website verwendet bild.de.
Die Fahrzeuge wurden gegen 2 Uhr morgens nach Schichtende in der Seydlitzstraße abgestellt. Rund eine Stunde später bemerkte ein Zeuge eine verdächtige Person in der Nähe der Busse. Kurz darauf stand ein VW Crafter der Berliner Stadtmission in Brand. Das speziell ausgestattete Fahrzeug hatte einen Wert von rund 60.000 Euro und war erst vor etwa drei Jahren von der Deutsche Bahn Stiftung gespendet worden. Die Flammen griffen schnell auf einen zweiten Kältebus über.
Der Zeuge alarmierte sofort die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte konnten den Brand löschen, doch beide Fahrzeuge waren nicht mehr zu retten. Der Crafter brannte vollständig aus, der zweite Bus wurde so stark beschädigt, dass er vorerst nicht mehr einsatzbereit ist. Damit fehlt der Stadtmission wichtige Kapazität, um obdachlose Menschen in sichere Notunterkünfte zu bringen.
„Das ist bei den aktuellen Temperaturen dramatisch und lebensgefährlich für viele Menschen, die heute Nacht bei Minusgraden auf der Straße sind“, sagte Stadtmissionsdirektor Christian Ceconi. Auch Kältebus-Fahrer Gerhard Gross (65) zeigte sich fassungslos. „Gerade jetzt, wo die Kältebusse bei diesen Temperaturen besonders benötigt werden“, sagte der ehrenamtliche Helfer aus Berlin-Mitte.
Die Unannehmlichkeiten wurden vorübergehend gelindert.
Kurzfristig konnte zumindest ein Teil des Ausfalls kompensiert werden. Der gemeinnützige Träger GEBEWO stellte einen Ersatzwagen mit Rollstuhlrampe zur Verfügung. Dadurch können ab Sonntagabend ab 20 Uhr wieder zwei Fahrzeuge im Einsatz sein.
Trotzdem bleibt die Situation angespannt. Um den ausgebrannten Crafter zu ersetzen und den beschädigten Bus zu reparieren, werden dringend Spenden benötigt, betonte Ceconi. Die Kältebusse sind ein zentraler Bestandteil der Winterhilfe der Berliner Stadtmission.

Jedes Jahr sind die Fahrzeuge vom 1. November bis zum 31. März unterwegs. Täglich zwischen 20 Uhr und 2 Uhr sprechen die Helfer Menschen ohne Wohnung an, versorgen sie mit Tee oder Schlafsäcken und bringen sie in Notunterkünfte. In der vergangenen Saison wurden so 2100 Menschen untergebracht und rund 37.000 Kilometer zurückgelegt.
Das Landeskriminalamt hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung aufgenommen.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Tragödie vor dem eigenen Haus: 72-Jähriger stirbt in Köln-Holweide.
