Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) – Es klingt wie ein Widerspruch: In ganz Deutschland fehlen Lehrer, hunderttausende Unterrichtsstunden fallen aus. Allein in Mecklenburg-Vorpommern waren es im Schuljahr 2023/2024 rund 350.000 Stunden. Und trotzdem greift die Landesregierung nun ausgerechnet im Bildungsbereich zum Rotstift. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion. Die Bilder wurden von der Website verwendet DW.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) schlägt Alarm. Im kurz vor Weihnachten beschlossenen Landeshaushalt habe die rot-rote Landesregierung still und leise 84 Stellenkürzungen im Bildungsbereich eingeplant. Konkret geht es um künftig wegfallende Stellen im Grundschulbereich: 44 sogenannte kw-Stellen zum 31. Juli 2026 und weitere 40 zum 31. Juli 2027.
VBE-Landeschef Michael Blanck (65), selbst Gymnasiallehrer, spricht von einem fatalen Signal für die Schulen. Viele Lehrkräfte seien verunsichert. „Natürlich wissen wir, dass die Einschulungszahlen in den nächsten Jahren zurückgehen werden. Das ist aber die Chance, den Lehrkräften wieder die Zeit zu geben, die für eine individuelle Förderung benötigt wird. Und das haben wir bitter nötig“, sagt Blanck.
Aus Sicht des Verbands passen die Sparpläne nicht zur Realität an den Schulen. Die Anforderungen würden stetig steigen, gleichzeitig werde beim Personal gebremst. Themen wie Integration, Inklusion, Digitalisierung und Ganztagsbetreuung erforderten nicht weniger, sondern mehr Lehrkräfte, so der VBE-Chef.
Demografischer Einbruch setzt Bildung zusätzlich unter Druck
Blanck wirft der Landesregierung vor, sinkende Schülerzahlen nicht für bessere Bildung zu nutzen, sondern für Haushaltskonsolidierung. „Wir fühlen uns an die ersten Jahre des Jahrtausends erinnert, als auch eine rot-rote Landesregierung diesen Weg gegangen ist – mit fatalen Folgen“, warnt er.
Bildungsministerin Simone Oldenburg (56, Linke) weist die Kritik zurück. Es handele sich um „rein haushaltstechnische Anpassungen“. Auf bestehende Arbeitsplätze und den Schulalltag habe das keinerlei Auswirkungen, betont sie.
Fakt ist jedoch: Der demografische Einbruch in Mecklenburg-Vorpommern ist massiv. Im ersten Halbjahr 2025 wurden rund zehn Prozent weniger Kinder geboren als im gleichen Zeitraum 2024. Zum Vergleich: 2016 kamen noch 13.442 Kinder zur Welt. Für 2025 droht ein neuer Negativrekord mit weniger als 9000 Geburten – ein Rückgang von mehr als einem Drittel innerhalb von zehn Jahren. In vielen Regionen hat dieser Trend bereits zum Kita-Sterben geführt.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Tragödie vor dem eigenen Haus: 72-Jähriger stirbt in Köln-Holweide.
