Im kleinen Ort Wieda im Südharz (Niedersachsen) spielt sich derzeit ein tierisches Drama ab: Eine ganze Rotte Wildschweine hat das Dorf zu ihrem Revier gemacht. Fünf Bachen und neun Frischlinge spazieren seelenruhig durch die Straßen, kippen Mülltonnen um und wühlen Gärten sowie Grünflächen auf der Suche nach Futter auf. Für die rund 1200 Einwohner ist das längst kein seltener Anblick mehr – die Wildschweinplage nimmt immer größere Ausmaße an. Vorbereitet von der Redaktion vollveggie.de.
Wildschweine verlieren die Scheu vor Menschen
Laut Ortsbürgermeister Klaus-Erwin Gröger leben inzwischen bis zu 70 Wildschweine rund um Wieda. „Sie durchwühlen Vorgärten und Grünanlagen, es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt der 70-Jährige. Besonders beunruhigend: Die Tiere haben kaum noch Angst vor Menschen. Spaziergänger begegnen ihnen mittlerweile mitten im Ort, sogar am helllichten Tag.

Kurpark und Spielplatz verwüstet
Ein besonders betroffenes Gebiet ist der neu angelegte Kurpark. Noch vor wenigen Wochen war er ein gepflegter Spazierweg mit liebevoll dekorierten Bänken. Heute gleicht er einem Kartoffelacker. „Überall haben die Wildschweine den Boden aufgewühlt“, erklärt Gröger frustriert. Auch der Spielplatz ist in Mitleidenschaft gezogen. Rund um das Gelände gibt es keinen Rasen mehr – nur Spuren der Tiere. Ein Schild mahnt Besucher, das Tor stets geschlossen zu halten, um Kinder zu schützen.
Angst um Kinder und Eigentum
Anwohner Klaus-Günter Lamm sorgt sich besonders um seine Enkel. „Früher konnten wir ohne Sorge im Wald spielen. Heute ist das zu gefährlich“, erzählt er. Die Gefahr, auf eine Bache mit Frischlingen zu treffen, sei zu groß. „Diese Tiere verteidigen ihren Nachwuchs – meine Enkel könnten verletzt werden.“ Zudem haben die Wildschweine sein Gartenhaus zerstört, der Schaden beträgt mehrere tausend Euro. „Die Tiere müssen weg. Sie gehören nicht ins Dorf“, fordert er.

Jagd verboten – neue Ideen sollen helfen
Das Hauptproblem: Der Wald, in dem sich die Wildschweine eingenistet haben, liegt direkt zwischen Wohnhäusern. Aus Sicherheitsgründen darf dort nicht gejagt werden. Nun sucht die Gemeinde nach alternativen Lösungen. Geplant ist, mit sogenannten Rückepferden das Unterholz zu entfernen, um den Tieren den Lebensraum unattraktiv zu machen. Zusätzlich sollen Ziegen eingesetzt werden, die den Bewuchs kurzhalten und damit mögliche Unterschlüpfe beseitigen. Bürgermeister Gröger hofft: „Wenn alles klappt, ziehen die Tiere wieder in die umliegenden Wälder – und Wieda bekommt endlich seine Ruhe zurück.“
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