In Sachsen-Anhalt leben immer mehr Wölfe – auch wenn das Wachstum inzwischen langsamer ausfällt. Laut dem neuen Wolfsmonitoringbericht 2024/2025 sind derzeit 276 Tiere im Land registriert, nur zwölf mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr davor war der Bestand noch um 58 Tiere gestiegen. Trotz des geringeren Zuwachses bleibt die Dichte außergewöhnlich hoch und sorgt landesweit für Diskussionen über notwendige Maßnahmen im Wolfsmanagement. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion/
Hohe Wolfsdichte sorgt für politischen Druck
Mit mehr als 15 Wölfen pro 1000 Quadratkilometern gehört Sachsen-Anhalt zu den Regionen mit der höchsten Wolfsdichte weltweit – fast dreimal so hoch wie in Kanada oder der russischen Taiga, wo maximal 5,6 Tiere erreicht werden. Für den CDU-Wolfsexperten Alexander Räuscher ist die Situation längst kritisch: „Der Bericht zeigt klar, wie dringend die Politik handeln muss, um den Wolfsbestand wirksam zu regulieren“, erklärt der Landtagsabgeordnete. Er verweist darauf, dass es dabei nicht nur um den Schutz der Weidetiere gehe, sondern auch um die Sicherheit der Bevölkerung. Räuscher fordert, dass sich Sachsen-Anhalt beim neuen Managementplan ab 2026 an Ländern wie Schweden oder Frankreich orientiert, die eine klare Obergrenze von einem Wolf pro 1000 Quadratkilometer festgelegt haben. Der aktuelle Wert in Sachsen-Anhalt liegt 15-mal darüber.
Weniger gemeldete Übergriffe – doch Experten warnen vor Verzerrung
Offiziell wurden im vergangenen Jahr 48 Übergriffe mit insgesamt 159 getöteten Nutztieren registriert – so wenige Fälle wie seit neun Jahren nicht mehr. Doch der Rückgang könnte täuschen, warnt FDP-Politikerin Kathrin Tarricone. Viele Halter verzichteten inzwischen auf Meldungen, weil sie fürchten, am Ende doch keine Entschädigung zu bekommen. Bereits zuvor hatte es Berichte über Fälle gegeben, in denen Betroffene trotz nachweislicher Schäden kein Geld erhielten. Der Fall zeigt, wie groß das Misstrauen auf dem Land inzwischen geworden ist und wie angespannt die Lage zwischen Behörden, Politik und Tierhaltern bleibt.

Umweltminister Willingmann will strengere Eingriffe ermöglichen
Umweltminister Armin Willingmann (SPD) kündigte an, stärker einzugreifen, wenn Wölfe wiederholt Zäune überwinden oder Herdenschutzmaßnahmen ignorieren. „Wo Wölfe hinreichenden Herdenschutz überwinden, muss es möglich sein, sie rechtssicher zu entnehmen“, so Willingmann. Zwar hat Sachsen-Anhalt seit einem Jahr die Möglichkeit zu sogenannten Schnellabschüssen, doch in der Praxis seien die Hürden noch immer hoch. Ein Beispiel liefert der Landkreis Wittenberg: Dort sollte im Oktober 2025 ein Wolf nach mehreren Angriffen entnommen werden, doch das Verwaltungsgericht Halle stoppte die Maßnahme — der Schutzzaun mit 1,10 Metern galt als nicht ausreichend hoch.
Mit der geplanten Aufnahme des Wolfs in das Bundes- und Landesjagdgesetz könnten Bestände künftig reguliert werden, sobald ein „günstiger Erhaltungszustand“ erreicht ist. Willingmann versichert jedoch: „Es wird keine planlose Jagd geben.“ FDP-Politikerin Tarricone drängt ebenfalls auf konkrete Pläne, um die ungebremste Ausbreitung des Wolfs zu stoppen und klare Vorgaben für eine verlässliche Regulierung zu schaffen.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Amoklauf Biberach: Große Polizeieinsätze an zwei Gymnasien – was bisher bekannt ist.
