Jürgen Klopp hat beim 20. Deutschen Fußball-Kulturpreis in Nürnberg nicht nur eine Trophäe, sondern auch wieder die Herzen des Publikums gewonnen. Der ehemalige Liverpool-Trainer zeigte, dass er Humor, Charme und Nachdenklichkeit auf einzigartige Weise verbinden kann – selbst wenn es um seinen neuen, umstrittenen Arbeitgeber geht. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Kaum stand Klopp auf der Bühne, hatte er das Publikum auf seiner Seite. „Ich nehme das gelbe Mikro“, sagte er, tauschte das blaue kurzerhand aus – ein kleiner Gag, der sofort Lacher auslöste. Es war der Beginn eines Abends, an dem Klopp die Tafelhalle in Nürnberg mit einer Mischung aus Witz, Selbstironie und ehrlichen Momenten füllte. Der Preisträger scherzte über alte Weggefährten wie Aki Watzke, empfahl Filme („Kanu des Manitu“ – sehenswert, „Graf von Monte Christo“ – weniger) und ließ keinen Zweifel daran, dass er die große Bühne immer noch liebt – wenn auch dosiert.
Auszeichnung für mehr als Fußball
Der 57-Jährige wurde mit dem Walther-Bensemann-Preis der Deutschen Akademie für Fußballkultur geehrt. Der Preis würdigt Persönlichkeiten, die sich im Sinne der Völkerverständigung für den Fußball einsetzen. Laudator Thiemo Müller vom Kicker nannte Klopp „einen exzellenten Fußballlehrer, Humanisten, Humoristen und Brückenbauer“. In seiner Rede hob er hervor, dass Klopp stets die Entwicklung von Menschen über Titel gestellt habe – und sprach gar von „Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit“.
Die Auszeichnung ist seit 2006 eine der bedeutendsten Ehrungen im deutschen Fußball. Frühere Preisträger waren unter anderem Uli Hoeneß und Rudi Völler. Dass Klopp nun in dieser Reihe steht, unterstreicht seinen Stellenwert weit über sportliche Grenzen hinaus.
Zwischen Witzen und klaren Worten
Doch Klopp wäre nicht Klopp, wenn er den Elefanten im Raum ignorieren würde. „Ich habe es der Jury nicht leicht gemacht, mich auszuzeichnen“, sagte er mit Blick auf seinen neuen Job bei Red Bull. Für viele Fans, vor allem in Mainz, Dortmund und Liverpool, war sein Wechsel zum Konzern ein Schock – ein Bruch mit seiner romantischen Fußballphilosophie.
Als Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein das Thema RB Leipzig ansprach, wurde es kurz ernst. „Wir haben auf der Welt viele Probleme – Red Bull im Fußball gehört nicht zu den großen“, erklärte Klopp ruhig. Ihm sei wichtig, dass es den Menschen in einem Verein besser gehe, wenn er dort arbeite. Die Größe des Stadions spiele dabei keine Rolle.
„Tradition beginnt, wenn man sie zulässt“
Mit diesem Satz brachte Klopp seine Haltung auf den Punkt. Er sprach über seine neue Rolle als Head of Global Soccer bei Red Bull, über Reisen nach Japan und Brasilien, über neue Eindrücke und Herausforderungen. Dabei klang er weniger wie ein Funktionär, mehr wie jemand, der neugierig auf Neues bleibt.
„Tradition beginnt in dem Moment, wo man sie zulässt“, sagte er nachdenklich. Wie seine ehemaligen Weggefährten Christian Heidel und Hans-Joachim Watzke darauf reagierten, bleibt unbekannt.

Dank, Spende und offene Worte
Nach 15 Minuten merkte Klopp lachend an, dass er sich ja eigentlich bedanken müsse. „Ich wusste ehrlich gesagt wenig über den Preis – und noch weniger über Walther Bensemann“, gab er zu. Doch er fügte hinzu: „Ich wäre gerne sein Freund gewesen.“
Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung spendete er komplett an das Projekt „Kick In! – Beratungsstelle Inklusion im Fußball“, und legte spontan noch einmal dasselbe für den Fanpreis-Gewinner TSG Wilhelmsdorf drauf. Am Ende gab es Standing Ovations – und viele Handyfotos. Klopp nahm sich Zeit für Autogramme und zeigte einmal mehr, dass er trotz seines neuen Jobs „einer zum Anfassen“ geblieben ist.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Sölden eröffnet Skisaison mit Riesenslaloms auf dem Rettenbachferner.
