Siemens erlebt derzeit eine der intensivsten Phasen seiner jüngeren Geschichte: Rekordgewinne, umfassende Umstrukturierungen und eine ambitionierte „One Tech Company“-Strategie. Während CEO Roland Busch und Gäste wie Nvidia-Chef Jensen Huang betonten, dass „die neue industrielle Revolution bereits begonnen hat“, stellte das Unternehmen seinen Kurs auf beschleunigtes digitales Wachstum und eine stärkere Position im globalen Technologiewettbewerb vor. Dennoch reagierten die Märkte verhalten – die Siemens-Aktie rutschte trotz beeindruckender Daten und neuer KI-Pläne spürbar ab. Im aktuellen Abschlussjahr meldete Siemens einen Nettogewinn von 10,4 Milliarden Euro – 16 Prozent mehr als im Vorjahr und damit den dritten Rekord in Folge. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Siemens reduziert Healthineers-Anteil und beschleunigt strukturelle Veränderungen
Ein besonders diskutierter Schritt ist die Entscheidung, die Beteiligung an Siemens Healthineers weiter zu reduzieren. Die Aktionäre erhalten Wertpapiere der Tochtergesellschaft im Umfang von rund 15 Milliarden Euro, wodurch die Siemens-Beteiligung auf etwa 37 Prozent sinkt. Analysten hatten schon länger argumentiert, dass Healthineers die klare digitale Ausrichtung des Konzerns verwässere. Fondsmanager bewerteten den Schritt positiv: Bei Deka Investment bezeichnete man ihn als „logisch und aktionärsfreundlich“. Trotz des Rekordgewinns bestätigt Siemens zudem weitere „Kapazitätsanpassungen“: Insgesamt sollen 6000 Stellen abgebaut werden, davon 2750 in Deutschland, um insbesondere die Sparte Digital Industries wettbewerbsfähig zu halten.
Das Unternehmen präsentierte außerdem die aktualisierte „One Tech Company“-Strategie, die eine stärkere Integration aller Bereiche und schnelleres Wachstum im Digitalgeschäft vorsieht. Siemens plant, rund 1 Milliarde Euro in industrielle KI-Anwendungen zu investieren – nicht in teure Rechenzentren, sondern in praxisorientierte Algorithmen und digitale Zwillinge. Bereits heute zählen Nvidia, AWS und Capgemini zu den wichtigsten Partnern, während ein neues Team in Seattle die globalen KI-Kompetenzen ausbaut.

Siemens setzt auf industrielle KI und globale Digitalisierung
Siemens will das digitale Geschäftsvolumen bis 2030 verdoppeln und stärkt strategisch seine Präsenz in den USA, China und Indien. Die Sparte Smart Infrastructure lieferte erneut starke Ergebnisse, und Digital Industries, lange unter Druck, zeigte gegen Jahresende erste Erholungstendenzen. Fachleute begrüßen zwar den Rückzug aus Healthineers, äußern jedoch weiterhin Zurückhaltung bezüglich des Tempos der Reformen. CEO Roland Busch betont dennoch, Siemens sei heute „stärker denn je“ und bereit, eine Führungsrolle bei der Verbindung von realer und digitaler Industrie einzunehmen. Trotz des kurzfristigen Kursrückgangs sieht der Konzern die Vereinfachung seiner Strukturen und den klaren Fokus auf Software- und KI-Lösungen als Grundlage für eine neue Wachstumsphase.
Zur Erinnerung: Wir berichteten ebenfalls darüber, dass Friedrich Merz unter Druck: Deutschlands Wirtschaft stagniert, Schulden steigen.
