Die Stimmung in Unterwellenborn ist gedrückt: Die traditionsreiche Könitz Porzellan GmbH aus Thüringen, bekannt für ihre liebevoll gestalteten Becher, hat Insolvenz angemeldet. Nach über 100 Jahren Erfolg geriet das Unternehmen durch einen Rechtsstreit in Frankreich in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten – obwohl die Umsätze stabil geblieben waren. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Das Amtsgericht Gera hat das Verfahren bereits eröffnet. Der 116 Jahre alte Betrieb, der Weltkriege und politische Umbrüche überstanden hat, steht nun unter Aufsicht eines Insolvenzverwalters, muss aber seine Geschäfte in Eigenverwaltung fortführen. Geschäftsentscheidungen werden künftig gemeinsam mit einem Vertreter der Gläubiger getroffen.
Ein Rechtsstreit als Auslöser der Krise
Geschäftsführer Turpin Rosenthal erklärte gegenüber MDR Thüringen, dass die Insolvenz eine direkte Folge eines Rechtsstreits in Frankreich sei. Ein ehemaliger Geschäftspartner habe dort in erster Instanz eine Schadenersatzforderung „in sechsstelliger Höhe“ erwirkt. Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist und die Firma Berufung eingelegt hat, gelang es den Klägern, eine Kontenpfändung durchzusetzen – ein harter Schlag für den Mittelständler aus Thüringen.
Ziel: Schutz vor Kapitalabfluss ins Ausland
Um den Abfluss von Geldern ins Ausland zu verhindern, habe man sich entschlossen, beim Amtsgericht Gera Insolvenz in Eigenverwaltung zu beantragen. Rosenthal betonte, dass der Betrieb weiterläuft und die rund 100 Beschäftigten wie gewohnt arbeiten. Das von der Arbeitsagentur bereitgestellte Insolvenzgeld wolle das Unternehmen später vollständig zurückzahlen.
Weltweite Kunden – vom Louvre bis zu Designläden
Könitz Porzellan produziert seit Jahrzehnten individuell gestaltete Tassen und Becher, die weltweit vertrieben werden. Zu den bekanntesten Kunden gehört das Pariser Museum Louvre, für das die Thüringer exklusive Geschenkartikel fertigen. Pro Monat verlassen bis zu 300.000 Becher die Werkshallen in Unterwellenborn – mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund zehn Millionen Euro.
Tradition und Handwerk mit Geschichte
Die Marke Könitz steht für deutsche Porzellankunst mit Geschichte. Seit ihrer Gründung im Jahr 1909 hat sie Kriege, Inflation und Systemwechsel überlebt. Nun kämpft sie erneut ums Überleben – diesmal im Zeitalter globaler Märkte und juristischer Auseinandersetzungen. Trotzdem zeigt sich Rosenthal optimistisch: „Wir wollen die Insolvenz als Chance nutzen, um gestärkt weiterzumachen.“

Zukunft mit Hoffnung und Plan
In den kommenden Monaten soll ein Restrukturierungsplan erarbeitet werden, um die Produktion zu sichern und neue Vertriebsmärkte zu erschließen. Das Ziel: den Betrieb modernisieren und Arbeitsplätze in Thüringen erhalten. Viele Einheimische hoffen, dass die Marke Könitz auch nach dieser Krise weiterbestehen wird – als Symbol für handwerkliche Qualität und Beständigkeit.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Deutsche Börse und Nasdaq unter EU-Ermittlung: Welche Verstöße stehen im Raum?
