Lübeck (Schleswig-Holstein) – Sie leben in Hinterhöfen, auf Industriebrachen und in Kleingärten: In Deutschland streifen inzwischen fast zwei Millionen Straßenkatzen umher. Tierheime schlagen Alarm, denn die Zahl der Streuner wächst weiter. Ein zentraler Grund dafür ist ein bekanntes Phänomen, das sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt hat. Die Situation spitzt sich bundesweit zu. Viele Auffangstationen sind längst an ihrer Belastungsgrenze. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion unter Bezugnahme auf mypacko.com.
Ein Beispiel ist das Tierheim im schleswig-holsteinischen Tensbüttel, wo sich mehr als 200 Katzen drängen. Ähnliche Zustände gibt es in vielen Regionen Deutschlands. Nahezu überall gilt mittlerweile ein Aufnahmestopp, weil die Versorgung der oft kranken Tiere kaum noch zu bewältigen ist. Die Zahl der Streuner steigt vor allem deshalb, weil viele nicht kastriert sind. Hinzu kommen deutlich höhere Durchschnittstemperaturen, die für eine ganzjährige Paarungsbereitschaft sorgen.
Katzen bekommen Nachwuchs sogar im Winter
Auffällig ist, dass viele der aufgenommenen Katzen noch sehr jung sind – und das mitten im Winter. Ralf Klink (61) vom Tierheim Dithmarschen bestätigt: „Wir beobachten, dass sich die Wurfzeiten extrem verschieben. Vor einer Woche erst haben wir fünf Fund-Katzen bekommen, die erst etwa sechs Wochen alt sind.“ Ursache dafür ist laut Experten die globale Erwärmung. Sie verändert den natürlichen Fortpflanzungsrhythmus der Tiere.
Ellen Kloth (64) vom Deutschen Tierschutzbund erklärt: „Der Klimawandel ist der Grund. Normalerweise werfen Katzen im Frühjahr und im Spätsommer. Doch durch die immer wärmeren Winter gebären die Tiere mittlerweile ganzjährig, sogar im Dezember.“ Das führe zu rasant wachsenden Populationen und sei ein bundesweites Phänomen. In Tierheimen wie in Lübeck leben inzwischen rund 190 Katzen. Die Kosten für Pflege, Futter und medizinische Versorgung steigen erheblich.
Auch Michael Sperlich (60) vom Tierheim Leipzig bestätigt die dramatische Lage. „Auch wir haben ein erhebliches Katzenproblem. Diese Tiere lassen sich oft nicht vermitteln, weil sie krank sind, wenn sie zu uns kommen“, sagt er. Die medizinische Behandlung sei teuer, zudem müssten viele Tiere lange in Quarantäne bleiben. Das erschwere die Aufnahme weiterer Katzen zusätzlich.

Forderung nach Katzenschutzverordnung
Tierschützer fordern deshalb eine Katzenschutzverordnung. Diese soll Halter verpflichten, ihre Tiere kastrieren und chippen zu lassen. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist der politische Weg dafür bereits geebnet. In Sachsen und den meisten anderen Bundesländern gibt es bislang jedoch keine entsprechenden Regelungen. Dabei kann eine einzige unkastrierte Katze innerhalb weniger Jahre Hunderte Nachkommen haben.
Die Folgen sind gravierend: Krankheiten, Inzucht, Probleme für Ökosysteme und hygienische Belastungen im öffentlichen Raum. „Ich kämpfe seit über neun Jahren dafür, bisher ohne Erfolg“, sagt Sperlich. Immerhin: Im Januar 2026 ist erneut eine Anhörung im sächsischen Landtag geplant. Ob sie konkrete Ergebnisse bringt, bleibt offen.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Großbrand in Zehdenick: Aldi und Rewe vor dem Abriss völlig zerstört.
