An einer Schule im niedersächsischen Melle ist ein interner Elternbrief zum Politikum geworden – und eskalierte bis hin zu einer Bombendrohung. Die Lindenschule Buer, eine Grund- und Oberschule, hatte ihre Schulordnung verschickt, in der das Tragen von Kopfbedeckungen in Gebäuden grundsätzlich untersagt wird. Zugelassen sind Ausnahmen nur nach Antrag an die Schulleitung. Der Hinweis, dass dies auch Kopftücher betrifft, verbreitete sich rasch online und führte zu heftigen Reaktionen. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
In dem Schreiben heißt es wörtlich: „In unserer Schulordnung ist festgelegt, dass beim Betreten des Schulgebäudes und in allen geschlossenen Räumen keine Kopfbedeckungen getragen werden. Hierzu gehören auch Mützen, Kappen oder Kopftücher.“ Weiter steht dort: „Ausnahmen sind selbstverständlich möglich, müssen jedoch bei der Schulleitung beantragt werden.“ Nachdem der Brief in sozialen Netzwerken auftauchte, berichteten mehrere Medien darüber, darunter NDR und Nius.

Reaktionen aus Stadt und Ministerium
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Bürgermeisterin Jutta Dettmann, die Stadt Melle und das Kultusministerium schalteten sich umgehend ein. Aus dem Ministerium kam ein klarer Hinweis zur Rechtslage. Sprecher Ulrich Schubert erklärte auf Anfrage: „Aus rechtlicher Sicht ist das Tragen eines Kopftuches durch Schülerinnen oder Lehrerinnen als Ausdruck ihrer durch Art. 4 GG geschützten Religionsausübung grundsätzlich zulässig. Dieses Grundrecht darf auch seitens einer Schule weder durch eine Schulordnung noch durch eine Einzelweisung untersagt werden.“ Unzulässig sei hingegen eine Vollverschleierung, sowohl für Schülerinnen als auch für Lehrerinnen.
Auch die Stadt zeigte sich irritiert. In ihrer Stellungnahme teilte sie mit, Dettmann sei „sehr verwundert und irritiert“ gewesen, als sie vom Elternbrief erfuhr. Sie betonte, dass die lokale Gemeinschaft vielfältig sei und die freie Ausübung der Religionsfreiheit selbstverständlich dazugehöre. Die Schulordnung soll nun überarbeitet werden, sodass Kopfbedeckungen aus religiösen oder krankheitsbedingten Gründen künftig jederzeit erlaubt sind.

Doch der Konflikt nahm eine dramatische Wendung. Wegen des umstrittenen Schreibens erhielt die Schule eine Bombendrohung, wie das Kultusministerium bestätigte: „Es gab eine entsprechende Drohung.“ Zusätzlich seien Schmierereien mit Beleidigungen gegen die Schule und die Schulleiterin am Gebäude entdeckt worden. Beides wurde bei der Polizei Osnabrück angezeigt. Die Beamten waren zunächst nicht erreichbar, ebenso wie die Lindenschule selbst, die sich bislang nicht öffentlich zu dem Vorfall geäußert hat.
Erinnern wir daran, dass wir auch darüber geschrieben haben Kai Diekmanns Hütte in Patagonien abgebrannt: Ex-»Bild«-Chef schildert nächtliche Rettung.
