Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) zieht in Frankenthal (Rheinland-Pfalz) den Stecker. Zum 31. Mai 2026 wird die Produktion an einem der traditionsreichsten Standorte des Konzerns eingestellt. Damit endet eine Industriegeschichte, die bis ins Jahr 1861 zurückreicht. Für 75 Beschäftigte steht der Arbeitsplatz auf dem Spiel. Das Material wurde von der vollveggie.de-Redaktion.
Betroffen ist die KBA-Tochter Albert Frankenthal GmbH, die im November 2011 gegründet wurde und auf Walzen sowie Walzenkerne spezialisiert ist. Der Aufsichtsrat des Konzerns fasste den Schließungsbeschluss am 26. Januar. Für viele kam diese Entscheidung überraschend.
„Das kam wie aus heiterem Himmel“
Als Gründe für das Aus nennt das Unternehmen Umstrukturierungen, den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Zukunftssicherung. Kurz gesagt: Der Standort rechnet sich aus Konzernsicht nicht mehr.
Bei der Gewerkschaft stößt diese Begründung auf Unverständnis. Birgit Mohme von der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal sagte:
„Das kam für uns wie aus heiterem Himmel.“
Die Informationen, die zu der Entscheidung in der Konzernzentrale geführt hätten, seien bislang „noch sehr dürftig“. Ob der Standort tatsächlich wirtschaftlich nicht mehr tragfähig gewesen sei, lasse sich derzeit kaum beurteilen.
Auch in der Stadt sorgt die Nachricht für Diskussionen. Frankenthals Oberbürgermeister Nicolas Meyer erklärte:
„Die Schließung steht am Ende eines langen, schrittweisen Rückzugs aus Frankenthal.“
Bereits vor Jahren seien große Teile des früheren Werksgeländes verkauft worden, die Gebäude würden inzwischen von verschiedenen Unternehmen genutzt. Ganz überraschend komme das Aus daher nicht, betonte Meyer, sprach aber zugleich von einem „harten Einschnitt“, insbesondere für die Beschäftigten und ihre Familien. Er kündigte an, sich für die Mitarbeiter einzusetzen und von KBA „verlässliche und gangbare Perspektiven“ einzufordern.

Der Name „Albert“ war über Jahrzehnte weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das Werk schrieb Industriegeschichte: 1861 gründeten Andreas Albert und Andreas Hamm in Frankenthal eine Schnellpressenfabrik. Zwischen 1979 und 1990 stieg KBA schrittweise ein, bis der Standort vollständig zum Konzern gehörte. Heute ist KBA nicht mehr Eigentümer des Geländes, sondern mietet lediglich eine rund 15.000 Quadratmeter große Halle. Vor der Umwandlung in die Albert Frankenthal GmbH arbeiteten dort laut Gewerkschaft noch mehr als 500 Menschen.
Ganz verloren gehen soll das Know-how dennoch nicht. Teile der Technik sowie einige Werkzeugmaschinen will KBA an den Hauptsitz nach Würzburg (Bayern) verlagern. Dort sollen Arbeitsschritte gebündelt werden. Für die Beschäftigten in Frankenthal ändert das jedoch nichts an der Ungewissheit über ihre berufliche Zukunft.
Erinnern wir daran, früher haben wir berichtet: Verdi-Streik im Nahverkehr in Deutschland am 2. Februar 2026.
